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Samstag, 18. Mai 2013

Der Keim einer neuen Brüderlichkeit – Offene Herzkraft und klare Gedankenführung




Das Allgemein-Menschlich-Menschheitliche 


Eine unverkennbare Tendenz unserer Zeit ist es, dass in unterschiedlichen Lebensgebieten die Auseinandersetzungen zur Eskalation kommen. Dies ist ein schmerzvolles Erleben für die Menschen, die sich daran schicksalsmässig beteilgen. Ich stelle aber immer wieder fest, dass gerade manche Auseinandersetzungen kostbare Momente erzeugen, die einen Charakter – des ‹Allgemein-Menschlich-Menschheitlichen› – zeigen.

Ein Beispiel: Zwischen Japan und den umliegenden Ländern herrscht durch die politische Vergangenheit eine Atmosphäre, die nicht ganz von Spannungen frei ist. Es kommt immer wieder vor, dass durch das schlechte Image der Japaner, das dort traditionell von Generation zu Generation weitergegeben wird, die Menschen in China den Japanern z.B. die Unmenschlichkeiten im Internet vorwerfen. Es war neulich der Fall, dass viele Autos japanischer Marke auf den Strassen in China angezündet und zerstört wurden. Trotz dieses negativen Bildes sind in China auch Menschen da, die immer wieder unbefangen das Verhalten einzelner Japaner, denen sie begegnen, wahrnehmen und ein eigenes Urteil aufgrund der empirischen Wahrnehmung bilden möchten.

Kurz nach dem obigen Vorfall mit der Zerstörung von mehreren Autos las ich neben den traurigen Nachrichten auch entgegengesetzte Stimmen nicht weniger Chinesen, die den Japanern, die in China leben und sich nach diesem plötzlichen Ereignis ein wenig in einem Schockzustand befanden, beistehen und sie ermutigen wollten. Ich habe diesbezüglich einige berührende Eintragungen gelesen. 


Eine Eintragung, die mich persönlich sehr berührt hatte, ist eine kleine Begebenheit, die ich noch früher einmal gelesen hatte. Vor einigen Jahren gab es ein Erdbeben in China und eine Gruppe Japaner waren auch vor Ort, um die Bergungsarbeit zu unterstützen. Dabei hat ein Chinese, der dort anwesend war, die Arbeit der Japaner beobachtet. Das japanische Team hat wie viele andere Hilfstrupps eine Leiche unter den Trümmern gefunden. Diese Japaner haben aber nicht sofort angefangen, sie zu bergen, sondern, sie stellten sich zuerst still vor sie hin und neigten sich dem Erdenrest des Verstorbenen gemeinsam zu, um ihr Mitgefühl und ihren Respekt zu zeigen. Erst dann begann das Team mit der eigentlichen Bergungsarbeit. Der Chinese, der es beobachtet hat, war berührt davon, dass die Japaner respektvoll mit einem Verstorbenen seines Volkes umgingen, und appellierte im Internet, dass man von diesem Umgang der Japaner lernen sollte. 


Dies kann nur ein kleines Beispiel bedeuten, aber an ihm erlebe ich den jungen Keim einer Brüderlichkeit, die in der Zukunft immer mehr frei von den Belastungen der Vergangenheit, von den Vorurteilen und dem Unterschied der Kultur, der Religion, der Völkereigenschaften sich entfalten wird. Der Keim ist noch jung und zart, macht sich aber immer wieder in einer schweren Krisensituation oder in einer scheinbar ausweglosen Auseinandersetzung wie ein leuchtender Strahl bemerkbar. An solchen Beispielen stellt man immer wieder bewusst fest: Der Keim ist zweifellos und tatsächlich in uns vorhanden. 

Deshalb gerade ist der Moment sehr kostbar, in dem ein Allgemein-Menschliches die scheinbar unüberwindbare dichte Mauer der Differenzen im Urteil und den Willensrichtungen auf einmal durchbricht und – wenn auch vielleicht nur kurz  – sich leuchtend an der Seelenoberfläche offenbart. Der Keim einer neuen Brüderlichkeit wartet auf unsere Aufmerksamkeit und Pflege. 


«Von der Tragödie zur Farce» im Asienspiegel
http://asienspiegel.ch/2013/05/von-der-tragodie-zur-farce/





Offene Herzkraft und klare Gedankenführung

Die Brüderlichkeit, das Allgemein-Menschlich-Menschheitliche z.B. das in der obigen Art erlebt werden kann, ist der Ausdruck einer innigen und offenen Herzkraft, die an der unmittelbar wahrnehmenden Gegenwart in uns angezündet wird. Sie scheint zugleich auch eine innere seelische Unabhängigkeit zu sein. Sie macht uns frei von den sinnlich-leiblich-äusseren Merkmalen und Eigenschaften, die uns als Einzelne voneinander trennen, und lässt uns zum reinen Geistigen kommen, ohne die Vernebelung der berechtigten individuellen Unterschiede.

Die andere Fähigkeit, die mir für die Förderung der Brüderlichkeit äusserst wichtig scheint, ist noch ein anderes Element, das zur Freiheit gehört: Das saubere und klare Denken. Die klare und disziplinierte Gedankenführung, die zusammen mit der Herzkraft auftritt, scheint das soziale Leben klärend zu inspirieren. 

Die Auseinandersetzungen, die das Schicksal und das Karma mit sich bringen, können uns immer wieder zur eigenen Grenze führen. Eigentlich wissen wir alle: Es ist etwas Unfreies, einen anderen Menschen willentlich zur Akzeptanz des eigenen Wahrheits-Urteils zu bewegen, ohne dass es im eigenen Denken nachvollzogen werden kann. Denn ohne das Wahrheitsgefühl etwas anzunehmen ist schliesslich keine Erkenntnis. Wenn etwas Erzwingendes eintritt, ist es oft der Fall, dass wir ohne die Gedankengänge bis zum Urteil durch klare Begründungen transparent zu machen, die Richtigkeit des Urteils durchsetzen. In einer solchen Situation sind wir oft auf das Ergebnis- das Urteil – fixiert. Dies bei sich zu bemerken und immer wieder im eigenen Denken sauber und exakt die Gedankengänge zu reflektieren, scheint mir eine echte Kunst zu sein. Die Bewegungen und Verbindungen im eigenen Denken wie von aussen zu beobachten, ist die Schulung, die nicht von heute auf morgen geht. Sie scheint erst in der Liebe zur unsichtbaren Disziplin des Geistes möglich zu werden und ist auf die treue Liebe zur inneren Freiheit gegründet. 




Junko Althaus






















Dienstag, 14. Mai 2013

Zum Vorgang der Auseinandersetzung zwischen Prokofieff und von Halle. Frage nach der Disziplin für geistige Auseinandersetzungen.






Der Schrift von Herrn Prokofieff "Zeitreisen – ein Gegenbild anthroposophischer Geistesforschung" wurden bereits einige Gegenstimmen von den Beschützern von Frau von Halle entgegengestellt. Zu dieser aktuell vorhandenen Situation möchte ich rückblickend auf den gesamten Verlauf der Phänomene um Frau von Halle meine Ansicht zum Ausdruck bringen. Zuerst möchte ich eine Bemerkung vorausschicken. In diesem Schreiben wird kein Urteil von mir über die einzelnen Inhalte in der aktuellen Schrift von Herrn Prokofieff oder auch in den Büchern von Frau von Halle vorgenommen. Hier möchte ich ausschliesslich die Frage nach der Vorgehensweise in einer geistigen Auseinandersetzung ansprechen. 




Offener Brief von der Gruppe um Judith von Halle an Sergej Prokofieff anlässlich seines Buches ‹Zeitreisen› über Judith von Halle 
http://www.goetheanum.org/fileadmin/AWW/awd/AWD2013_05.pdf
(Seite 18-19)





Die Frage nach Gedankenfreiheit der einzelnen Menschen 

Die Inhalte, die in den Schriften und Äusserungen von Frau von Halle dargestellt sind, lösen bei nicht wenigen Menschen Verwirrung aus. In den Urteilen und Darstellungen, die in den Schriften von Frau von Halle zu finden sind, fehlen für zahlreiche Menschen die klaren Zusammenhänge. Diese Realität, dass ihre Darstellung bei den bestimmten Menschen eine Ablehnung findet, ist sicherlich auch für Frau von Halle eine Herausforderung. Es ist allerdings etwas Natürliches, dass diejenigen Menschen, welche die Irritationen an den Darstellungen von Frau von Halle erfahren, ihren Standpunkt dazu darstellen und ihn veröffentlichen. Dieser Vorgang ist an sich etwas Selbstverständliches. Dies kann nicht gleich als ein Angriff auf die Person von Frau von Halle verstanden werden.

Solange in der Entgegnung die inhaltlichen Fragen kritisch aber sachbezogen behandelt werden, kann nicht bloss von Störung des Friedens oder Ähnlichem die Rede sein. Wenn unsere Sache eine ‹(Geistes)-Wissenschaft› heissen soll, soll als grundsätzliche Disziplin eine sachbezogene kritisch-wissenschaftliche Vorgehensweise eingehalten und gefördert werden. Für eine Wissenschaft sind sachbezogene Einwände zu einer Darstellung eine Selbstverständlichkeit. Wenn alle Veröffentlichungen und Darstellungen, die herausgegeben werden, von den Lesern und Forschern bejahend angenommen werden müssten, dann sollte die Bezeichnung ‹Geisteswissenschaft› für die Anthroposophie dementsprechend abgeschafft werden. Wenn es aber so ist, dann scheint allerdings damit auch die häufige Kritik von Aussen an die Anthroposophen: "Sie sind nicht wissenschaftlich", sich zu bewahrheiten.

Im obigen Sinne ist die aktuelle Publikation von Herrn Prokofieff an sich eine Sache, die zu einer Selbstverständlichkeit der Gedankenfreiheit gehört. Es ist auch das Recht von den Beschützern von Frau von Halle, die Darstellung von Prokofief wieder kritisch zu entgegnen. Nun wird aber im offenen Brief von den Beschützern von Frau von Halle die Entschuldigung für die Darstellung von Prokofieff verlangt. Sie verlangen auch die  Zurücknahme der Bücher aus dem Markt. 

Dieses Vorgehen erweckt in den Menschen den Eindruck, dass man in der Anthroposophie keine kritische Darstellungen zur Schrift von bestimmten Autoren veröffentlichen darf. Man kann den Eindruck bekommen, dass keine Gedankenfreiheit mehr in der Anthroposophie zugelassen ist. Dies lässt Frau von Halle nach Aussen vielmehr wie ein Guru erscheinen als wie eine eigenständige Forscherin, auch wenn die Beschützer dies nicht beabsichtigen. Dies ist für Frau von Halle selber sicher nicht nützlich. 



Der Unterscheid zwischen einem persönlichen Angriff und einer kritisch-sachbezogenen Kritik

In dem Land Japan, woher ich ursprünglich komme, reagiert die allgemeine Gesellschaft viel sensibler darauf, ob man in der Öffentlichkeit mit dem sprachlichen Ausdruck korrekt umgeht, als hier in der westlichen Gesellschaft, weil bei uns die Praxis des gegenseitigen Respekts zum gesellschaftlichen Standard gehört. Man wird in der Öffentlichkeit in seinem sozialen Verhalten bis in den sprachlichen Ausdruck hinein von der Allgemeinheit kritisch beobachtet, in welcher Gesinnung und wie man sich gegenüber den anderen Menschen benimmt. 

Man kann selbstverständlich seine Kritik gegenüber anderen Meinungen äussern. Aber auch wenn man jemanden kritisiert, darf die Gesinnung des Respektes nie ganz verloren gehen. Dies wird von der Allgemeinheit als eine soziale Kompetenz vor allem von den führenden Persönlichkeiten erwartet. Wenn ein Mensch einen Ausdruck über einen anderen Menschen verwendet, der unbegründet und in einer boshaften Art – sarkastisch oder ironisch – den Wert des betreffenden Menschen herabsetzt, badet er nicht selten in einer heftigen Empörung der Allgemeinheit, sodass er durch den Druck der Allgemeinheit dazu bewegt wird, sich öffentlich zu entschuldigen. Aber dieses Prinzip kann auch bei uns – wo der gegenseitige Respekt viel sensibler wahrgenommen und praktiziert wird als hier – nicht geltend gemacht werden, wenn die Einwände eben begründet und sachbezogen unternommen werden. Dann werden die Einwände nicht als eine persönliche Beleidigung aufgefasst. Solche begründete Einwände gehören zur individuellen Freiheit im Denken. Aus dem obigen Grund ist nach meiner Ansicht das Vorgehen der Beschützer von Frau von Halle im offenen Brief, von Prokofieff die Entschuldigung und die Zurücknahme der Schrift zu verlangen, als zu weit gegangen aufzufassen. 


Ich werde es deutlich betonen, weil ein solches Verlangen Frau von Halle selber unter kein gutes Licht in der Öffentlichkeit stellen kann. 



Die Auseinandersetzung als Förderung der Entwicklung

Es finden in allen Gebieten der Professionalität berechtigte Kämpfe statt. Ohne diese Kämpfe kann weder eine persönliche noch eine allgemeine Entwicklung in einem Fachgebiet zustande kommen. In einem Kampf oder in einer Auseinandersetzung muss man sich nicht nur mit einem anderen Menschen in seinen Fähigkeiten messen. Sondern, es geht auch um die Auseinandersetzung mit den eigenen Grenzen. Gerade dieses Ringen mit sich selber hat sich in vielen Fachgebieten als ein unverwechselbarer Effekt für die Entwicklung einer Sache oder eines Sachgebietes erwiesen. Eine ähnliche Erfahrung kennt jeder Wissenschaftler, jeder Künstler, der unaufhörlich die Erhöhung des eigenen Könnens anstrebt und so eine Meisterschaft erzielt. In diesem Sinne sind die Kämpfe und die Auseinandersetzungen, die nach einer klaren Arbeitsdisziplin verlaufen, die unverzichtbaren Lehrmittel und Herausforderungen für die Entwicklung überhaupt.  

Jeder Mensch steht in einer geistigen Auseinandersetzung zuletzt mit sich allein. Man erlebt einen Zeitpunkt, in dem man ganz auf sich allein gestellt ist. Auch wenn die Unterstützung oder die Anregung von zugewandten Menschen auch eine Notwendigkeit ist, muss jeder die Prüfung, die eine geistige Auseinandersetzung ihm entgegenbringt, schliesslich mit eigener Kraft bestehen. Dieser einsame Prozess, in dem ein Mensch darum ringt, um über die bereits erreichte Stufe hinaus zu wachsen, darf nicht gestört werden, denn an diesem Ringen wächst im Menschen eine neue Fähigkeit, die bis dahin noch in ihm schlummerte. 

Dies gilt auch in den Auseinandersetzungen mit geistigen Inhalten. Die Auseinandersetzungen, die bezüglich auf das Verständnis der Phänomene in der Welt oder die Interpretation der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners sich ergeben, sind wichtige und kostbare Herausforderungen, die sowohl die gesamte als auch die persönliche Entwicklung der daran beteiligten Menschen fördert. Diese, die Entwicklung fördernde Wirkung der Auseinandersetzung muss auch in unserem Gebiet der Geisteswissenschaft im gleichen Mass wie in allen anderen Fachgebieten vorhanden sein. Ich stelle nun aber fest, dass gerade bei den Menschen, die sich mit der Gesteswissenschaft Rudolf Steiners beschäftigen, für diesen Aspekt noch wenig eine Würdigung stattfand.



Die eigenständige Verantwortung eines Geistesforschers gegenüber der eigenen Darstellung im Fall einer geistigen Auseinandersetzung

Ich habe bis jetzt – sofern dies die schriftlichen Publikationen betrifft – das Vorgehen von Herrn Prokofieff so beobachtet, dass er in die Angelegenheit mit Frau von Halle sich selber als ein selbstständiger Forscher hineinstellte, ohne dass jemand für ihn stets sprechen und ihn verteidigen muss. Soweit ich die Auseinandersetzung zwischen Herrn Prokofieff und Frau von Halle verfolgt habe, habe ich meistens seine eigene Stellungnahme für diese Angelegenheit und nicht in erster Linie eine Vertretung für ihn durch jemand anderen gelesen.

Dies sieht aber bei der Partei von Frau von Halle anders aus. Bis jetzt sind bereits viele Stimmen und Entgegnungen gegen die Schrift „Zeitreisen“ veröffentlicht. Aber die meisten Entgegnungen, die bis jetzt in dieser Auseinandersetzung veröffentlicht worden sind, stammen nicht von Frau von Halle selber, sondern, von ihren Beschützern. Dabei stellt sich eine grundsätzliche Frage nach der Vorgehensweise in einer geistigen Auseinandersetzung bezüglich Individuum und Gruppe, denn ohne das Einhalten einer grundsätzlichen Disziplin im Vorgehen kann nach meiner Ansicht keine Auseinandersetzung fruchtbar und fördernd für die Entwicklung genützt werden. 

Die Schrift von Herrn Prokofieff ist auf Frau von Halle und Herrn Tradowsky gerichtet. Frau von Halle und Herr Tradowsky sind diejenigen, die dabei direkt angesprochen sind. In erster Linie ist Frau von Halle die Person, die es betrifft. Eines scheint klar zu sein: Die Entgegnungen von den Beschützern von Frau von Halle können nie die eigene Stellungnahme von Frau von Halle ersetzen. Dies ist eine Regel, die nicht gebrochen werden kann. Keiner kann in den Einwänden, die gegenüber den Darstellungen in den Büchern von Frau von Halle gemacht werden, eine voll berechtigte und korrekte Stellungnahme geben, ausser sie selber, jedenfalls solange sie selber lebt und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte steht. Diese Bücher sind von ihr geschrieben und sie trägt dafür die Verantwortung. Diese Eigenständigkeit in der Verantwortung ist eine selbstverständliche Disziplin, die zu einer Forschung oder zu einer Veröffentlichung eines Forschungsergebnisses gehört.

Die Hilfsmassnahmen, die von den Beschützer von Frau von Halle massiv eingesetzt werden, scheinen aus dem obigen Grund nicht hilfreich für eine fruchtbare Auseinandersetzung zu sein. Ich denke, dass die Beschützer von Frau von Halle ihr selber die Gelegenheit nicht nehmen sollten, sich selber als eine eigenständige Persönlichkeit in die Herausforderung hineinzustellen. Sie sollten sich besser von dieser Art des Verfassens von Streitschriften gegen kritische Stimme zurückziehen, damit Frau von Halle selber die Gelegenheit ergreifen kann, zu zeigen, wie sie in einer ehrlichen und sachbezogenen geistigen Auseinandersetzung ihre Fähigkeit zu zeigen vermag. Dann kann sich die Allgemeinheit selber an ihrem Vorgehen in einer geistigen Auseinandersetzung ein eigenes Urteil bilden. 


Solange man eine geistige Auseinandersetzung nur als einen sinnlosen und bösen Angriff versteht, kann man auch den Menschen, der die Einwände erhebt, nur als Feind sehen. Aber diejenigen, die zuerst wie eine Art Feinde aussehen, werden zu denjenigen, die uns am meisten zu einer Entwicklung verhelfen, wenn wir diese Auseinandersetzung als eine fruchtbare Herausforderung sehen, die zu jedem Weg gehören, der von Professionalität und Meisterschaft zeugt. 

Mir scheint, dass der massive Einsatz von der Gruppe um Frau von Halle für niemanden fruchtbar sein kann. Die Entgegnung soll vor allem von Frau von Halle selber und höchstens Herrn Tradowsky gegeben werden und nicht von ihren Vertretern. Man weiss nicht einmal, ob Frau von Halle selber sich mit all diesen schriftlichen Entgegnungen durch ihre Beschützer identifizieren kann, oder ob sie zumTeil ein anderes Urteil hat.  

Das bisherige Vorgehen der Beschützer von Frau von Halle kann nach Aussen den Eindruck erwecken, als ob Frau von Halle in ihrer geistigen Fähigkeit nicht mündig wäre und sich nicht eigenständig als Forscherin dem realen Problem zu stellen vermag. Der Eindruck kann entstehen, dass sie auf eine Hilfsaktion durch die anderen Menschen angewiesen ist, weil sie selber nicht fertig wird, durch den Einsatz eigener Fähigkeiten die Einwände überzeugend zu widerlegen. Die Entstehung dieser Eindrücke scheint mir für Frau von Halle nicht hilfreich zu sein.



Ich apelliere aus den obigen Gründen an die Beschützer von Frau von Halle, statt sie vertreten zu wollen, unmittelbar Frau von Halle selber ihre Sache vertreten zu lassen, so wie sie in ihrer neuen Schrift getan hat. Sie sollten Frau von Halle die Gelegenheit geben und ihr selber den Platz einräumen, dass sie sich als eine eigenständige Forscherin in diese Herausforderung stellen kann und dass sie darin öffentlich ihr Können zeigt, wie sie durch ihre sachbezogenen Begründungen mit der Auseinandersetzung fertig wird. Daran kann ihr eigenes Können beobachtet werden und es stellen sich nicht die Behauptungen ihrer Vertreter in den Vordergrund. 

Solange die anderen Menschen viel mehr als Frau von Halle selber für ihre Richtigkeit sprechen, um sie zu verteidigen, wird diese Auseinandersetzung kein Ende finden und auch niemandem helfen. Die Verteidigung von zweiter Hand wie im offenen Brief an Herrn Prokofieff hat keine Wirkung, wie eine Stellungnahme von Frau von Halle selber es haben kann. Diejenigen, die kritische Meinungen gegenüber den Inhalten in den Büchern von Frau von Halle vertreten, können durch diese Gegenstimmen der Beschützer in ihrer Erkenntnisfrage nicht zufrieden gestellt werden, denn diese Beschützer werden nie die eigene Stellungnahme von Frau von Halle ersetzen können. Dies kann nur Frau von Halle selber als selbständiges Individuum ausführen und nicht an ihrer Stelle die Gruppe.





Junko Althaus















Dienstag, 7. Mai 2013

Durch wen sprach der Maitreya-Bodhisattva im 20. Jahrhundert ? Teil 5: Der Maitreya – der denkende Bodhisattva




Die Fortsetzung von Teil 4




Der Maitreya-Bodhisattva  – die Brücke zwischen Ost und West

Im Teil 4 habe ich beschrieben, dass der Maitreya-Bodhisattva die Strömung leitet, in der die Entwicklung der moderne Intelligenz die Grundlage einnimmt. Er ist deshalb gerade nicht das Wesen, welches das Denken ausklammern würde. Der Maitreya ist derjenige, der ausgehend vom dem Denken geistig die Weisheit des Ostens und des Westens umfassen will. Dazu sagte Rudolf Steiner:

«Aber die Menschheit wird auch nicht den Aufstieg finden zu diesem allgemein menschlichen, zu diesem wahrhaft christlichen Impuls, daher auch nicht früher verstehen können, was ein etwaiger Bodhisattva zu ihr zu sagen hätte, bis sie in sich selber wiederum spirituelle Sehnsucht in genügendem Mass entwicklet hat; bis sie gerade durch diese spirituelle Sehnsucht die Brücke haben wird über die ganze Erde hin zum Verständnisse zwischen dem Osten und dem Westen. » (GA 209, 24. 11. 1921)  (GA227, 29. 08. 1923)

Immer mehr Menschen entdecken die Qualität des Ostens, wie Respekt, Frieden und Torelanz. Sie verbinden sich in grosser Liebe damit, um dadurch das Westliche zu befruchten. Im Gegenteil ist auch der Fall. Ja, die Menschen im Osten warten auf dasjenige, was aus dem Westen kommt. Aber dies, worauf sie in voller Sehnsucht warten, aus dem Westen zu empfangen, ist der Christus-Impuls, der nicht der Weisheit des Ostens widerspricht, sondern, sie als der Impuls des Allgemein-Menschlichen befruchten kann. Der Maitreya-Bodhisattva entfaltet mit dem lebendigen Ost-West-Brückenbau sein entscheidendes Werk. Allerdings ist er im Zeitalter der Freiheit auf die Taten der anderen Menschen angewiesen, dass sie seine Mission erkennen und ihm den Boden für seine einzigartige Aufgabe für das Christus-Verständnis im neuen Zeitalter bereiten. Der Maitreya-Bodhisattva benötigt die geistige Atmosphäre, in der die schöpferische Begegnung zwischen dem Osten und dem Westen im gegenseitigen Respekt vollzogen wird. 


Der moderne Bodhisattva, der über die Erlösung nachdenkt

Ich möchte die zwei künstlerischen Darstellungen des Maitreya-Bodhisattva in Japan vorstellen. Die beiden Beispiele gelten als die schönsten Darstellungen des Maitreya in Japan. Die Statuen sind etwa 1400 Jahre alt. Der Maitreya-Bodhisattva ist im Stil 半跏思惟像 (Hanka-Shiyui-Zou) dargestellt. Hanka 半跏 bedeutet, dass er ein Bein auf den Stuhl legt und mit dem anderen Bein den Boden (eine Lotus-Blume) berührt. Es gibt verschiedene Arten dies zu deuten. Eine Deutung ist, dass der Maitreya noch nicht zum Buddha wurde und sich noch nicht vollständig als Mensch inkarnieren kann. Deshalb berührt er nur mit einem Bein die Erde. 

Shiyui 思惟 bedeutet, das Nachdenken, das Meditieren, das Denken. Wenn man diese Statuen mit den anderen zahlreichen Statuen des Maitreya-Bodhisttva vergleicht, kann man sofort merken, dass sie den Charakter des Denkens in der Darstellung eindeutig betonen. 









Diese zwei bekanntesten und beliebtesten Darstellungen des Maitreya-Boddhisattva in Japan vermitteln den denkenden – fast philosophierenden Charakter des Bodhisattvas. DIes irritiert sogar manche Menschen in Japan. Sie denken: Wieso muss ein Bodhisattva, der so ein erhabenes Wesen sein soll, über die Erlösung der Menschheit überhaupt nachdenken? Weiss er nicht unmittelbar, wie er die Menschheit erlösen kann? Wieso muss er die Intuition suchen? Diese Empfindung, die ab und zu die Japaner gegenüber diesen Darstellungen haben können, ist charakteristisch für den Maitreya-Bodhisattva in dieser künstlerischen Darstellung. Er denkt und sucht die Intuition, um sich an seine Mission der Zukunft anzunähern. Er besitzt zwar die Weisheit des Bodhisattva, aber er übergeht die Freiheit nicht. Er sucht die Ideen, durch die er in Freiheit wirken kann.

Mit einer Hand berührt er das Gesicht. Das deutet auf die meditativ-philosophische Tätigkeit. Mit der anderen Hand berührt er das Knie. Eine Hand zeigt nach oben, die andre nach unten. Dies weist darauf hin, dass das Denken und das Wollen in diesem Bodhisttva eine ganz neue schöpferische Harmonie finden. Das Denken, das intuitiv das Geistige erfasst, wird zum freien Werkzeug für die moralische Handlung. Die obere Welt des Geistes wird in ihm mit der unteren Welt des Stoffes verbunden. 

In Japan werden diese zwei Statuen des Maitreya-Boddhisattva als diejenige Statuen bezeichnet, die künstlerisch am meisten den hellenistischen Einfluss zeigen. Die Darstellungen vermitteln eine modernere Ausstrahlung, als sie sonst von den meisten Buddha-Statuen ausgeht. Dies ist sicherlich ein Grund, wieso gerade diese Statuen als Zukunftshoffnungs-Träger das Herz der Menschen in besonderer Weise erobert haben. Die Statuten vermitteln  Jugentlichkeit,  Freiheit und  Wärme und menschliche Nähe. 




弥勒菩薩 広隆寺 Maitreya-Bodhisattva-Statue im Tempel Kouryuji 













Eine kurze Video-Darstellung
http://www.youtube.com/watch?v=NojOOSzVuUg





弥勒菩薩 中宮寺 Maitreya-Bodhisattva-Statue im Tempel Chuguji
















Der Maitreya-Bodhisattva – Hoffnungsträger 

Besonders interessant ist es, dass nicht wenige der jungen Männer, die in den zweiten Weltkrieg ziehen mussten, das Foto der obigen Statue des Maitreya-Bodhisattva mit sich trugen.Genau zum Zeitpunkt dieses Krieges geschah das gewaltige Ereignis, die Wiederkunft Christi im Ätherischen. In dieser Zeit mussten aber die Menschen weltweit sich an der schmerzlichen gegenseitigen Tötung beteiligen. In diesem tragischen und ausweglosen Schicksal der Menschheit schenkte die Statue des Maitreya-Bodhisattva den jungen Japanern ein Stück Geborgenheit und inneren Halt. Haben diese Menschen unmittelbar geahnt, dass hinter dem Maitreya-Bodhisattva das Wesen sich verbirgt, das die Menschheit trotz der tiefen Dunkelheit des Krieges auf das aktuelle Zeitgeschehen im Ätherischen hinweisen wollte?