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Donnerstag, 19. April 2012

Anthroposophisch-Geisteswissenschaftliche Karmaforschung als Aristotelismus des 21. Jahrhunderts Teil 1




Bis jetzt habe ich öfters von der Karmaforschung im Sinne der anthroposophischen Geisteswissenschaft gesprochen, aber habe wenig geschildert, wie eine solche konkrete Karmaforschung als eine neue Forschungsmethodik kristallisiert werden kann.

Deshalb möchte ich hier ein wenig versuchen, zu schildern, wie der Weg meiner eigenen Forschung praktisch aussieht. Meistens habe ich das Gefühl, wenn man die Ergebnisse einer geistigen Forschung entgegennimmt - vor allem im direkt geistigen Gebiet - dann muss die drin vorhandene "kausale Logik der Schilderung" selber helfen, dem Leser eine eigenständige Urteilsgrundlage mit zu liefern. Damit nicht z.B. das Folgende behauptet werden muss wie: Man kann die geistigen Forschungsresultate nicht überprüfen, weil sie okkult sind - deshalb soll man sie einfach kritiklos hinnehmen oder ignorieren.

Wenn aber eine solche Behauptung in der Anthroposophie geltend gemacht wird, dann muss man an diesem Menschen feststellen, dass er bereits das «Forschungsfeld der Anthroposophischen Geisteswissenschaft» verlassen hat. Das bedeutet, dass dieser Mensch das Geistige in der alten Art der religiösen Offenbarung auffassen und fortsetzen will.

Um mich klar von einer solchen hartnäckigen Neigung innerhalb der heutigen Anthroposophie abzugrenzen und mich bewusst und unmittelbar an dem Geist Steiners anzuschliessen, denke ich, dass ich einmal etwas mehr darstellen will, wie meine Forschungspraxis aussieht, damit auch ein Eindruck bei den Lesern entstehen kann, was ich in einer Forschung überhaupt will.




Alle Forschungen gehen immer zuletzt nicht nur von den Theorien, sondern von den Wahrnehmungen, von den menschlichen Erfahrungen unabhängig von der Art aus. So ist es auch mit meiner Forschung. Seit Kindheit habe ich gewisse Wahrnehmungsmöglichkeiten, die über die normalen Sinneserfahrungen hinausgehen. Auf die Einzelheiten meiner gemachten Erfahrungen möchte ich hier nicht eingehen. Über einige Erlebnisse habe ich ja bereits in manchen Artikeln geschrieben. Allerdings sind diese Wahrnehmungsmöglichkeiten, welche die Grundlage und der Ausgang meiner Forschung im geistigen Gebiet bilden, nicht immer gleich geblieben. Ich möchte kurz über die Veränderungen meiner Wahrnehmungen beschreiben.


Als ich etwa Mitte Zwanzig die Anthroposophie kennenlernte, wurden meine Wesensglieder in ein neues Verhältnis zueinander gebracht. Der Ätherleib lockerte sich von dem physischen Leib durch einen starken geistig-seelischen Schock, der durch die Wirkung, welche die Anthroposophie auf mich intensiv ausübte, zustande kam. Das veränderte meine gesamte geistig-seelisch-leibliche Konstitution. Damit begann eine gewisse neue Hellsichtigkeit, die spontan auftrat. Und diese Hellsichtigkeit war zum Teil intensiv und blieb so einige Jahre hindurch.

Eines Tages erlebte ich eine Christusbegegnung, als ich mich damals noch in Japan in einer existentiellen Lebenskrise befand. Das Christus-Wesen, das mir mit einer tröstend-kräftigenden Schicksalsbotschaft erschien, gab von sich an mich eine intensive geistig-seelische Substanz weiter. (Ich erkannte später einen ähnlichen Prozess der Veränderung an den Menschen, die in einer Nahtod-Erfahrung dem "Wesen" begegnet sind, welches von ihnen als "Christus" oder "Lichtwesen" bezeichnet wurde.) Mein Zimmer war voll von dieser einzigartigen Substantialität gefüllt. Nach dieser Begegnung blieb diese Substantialität in meiner unmittelbar physischen Umgebung wie eine neue ätherische Hülle. Und gerade diese neue ätherische Hülle hatte eine erstaunliche Eigenschaft: Sie tröstete mich und sprach mich an, wenn ich in eine Schwierigkeit hineinkam. Sie gab mir die unerschütterliche Gewissheit, nach Europa zu gehen und ich konnte tatsächlich in diesem geistigen Schutz leicht den Übergang von Japan nach Europa bewältigen. Die Hülle strahlte mir die lebendige Weisheit und Geborgenheit entgegen, die ich damals gebraucht habe. Aber die frühere Hellsichtigkeit ist etwas zurückgegangen.



Als ich gefahrlos in der anthroposophischen Umgebung in Europa gelandet war, begann aber die Hülle plötzlich radikal abzunehmen. Und erst nach einiger Zeit merkte ich, dass diese Substantialität, die vorher ausserhalb von mir als eine Extra-Hülle existierte und in einer Art von aussen mich beschützte, eine Umstülpung nach Innen erfahren hatte. Nach und nach merkte ich, dass die verloren gegangenen Kräfte der Hülle jetzt immer mehr aus meiner Mitte - aus der Herz-Gegend - nach Aussen herausbrechen wollten. Die Kräfte, die sich vorher in einer harmonischen Art aussen befanden, kehrten sich nach Innen um und machten wie in einer gewissen Wildheit eines neu geborenen Kindes sich bemerkbar. Die Hellsichtigkeit, die sowieso einen spontanen Charakter hatte, veränderte sich dadurch wieder.

Dabei hat die völlig neue Situation mit der Sprache eine wichtige Rolle gespielt, die mit meiner Umsiedlung nach Europa gleich begann. Ich fand in der deutschen Sprache ein effektives Mittel, durch das ich die Wahrnehmungen an dem Unsichtbaren, die ich sonst immer auf eine sprachlose Art im Fühlen hatte, plötzlich als geistige Ideen ergreifen konnte. Ich konnte die Wahrnehmungen plötzlich durch die Hilfe der deutschen Sprache als «Ideen» spiegeln und sie als Gedanken inkarnieren. Es ist ähnlich so wie Plato schildert, denn in den alten Zeiten war das Denken eher als eine Wahrnehmung in Ideen. Aber für mich bedeutet es nicht als blosse Wiedererinnerung der geistigen Welt, sondern als eine aktive menschliche Tätigkeit. Und diese neue Möglichkeit - die begriffslosen Wahrnehmungen «in der Welt der Ideen» spiegelnd ergreifen und als die Gedanken zu einer irdischen Inkarnation zu bringen - ist für mich seitdem die wichtigste geistige Forschungsgrundlage geworden.

Die visionäre Art des Sehens ist statt dessen bei mir wenig ausgebildet. Die meisten Menschen, die spirituell begabt sind, haben eher eine ausgeprägte Fähigkeit des Sehens. Und ich stelle fest, dass es bei mir ziemlich anders ist. Viele haben eher Schwierigkeit, ihre Wahrnehmung in die klare Begriffe zu bringen. Bei mir ist es umgekehrt. Die Wahrnehmung in Begriffe zu kleiden ist meine «Rettung» und Hauptdarstellungsmöglichkeit, um das Übersinnliche konkret zu ergreifen. Darin habe ich meine stabilste Grundlage für die Forschung. Und diese Neigung ist im Studium am Werk Steiners intensiv befestigt worden. Aus dieser speziellen Neigung kommt für mich persönlich sowieso zuerst nur die anthroposophisch-geisteswissenschaftliche Forschung als eine Methode in Frage.


Auch die innere Umstülpung der ätherischen Substantialität hat in mir im Laufe der Jahren eine ganz eigenartige Wandlung durchgemacht. Eine innere Leere wurde intensiv in den polaren Weltenkräften Ahrimans und Luzifers durchlebt. Und in einer geistigen Explosion im Herzgegend die Neugeburt der inneren Freiheit als die eigene Mitte erlebt. Die Darstellung des Menschheitsrepräsentanten ist nicht nur ein künstlerischer Ausdruck, sondern ein wahrer Kampf, der in einer Individualität stattfindet. Man erfährt so den Menschheitsrepräsentant als eigene Imagination, die zu einer existentiellen Lebenskrise wird. Und das führt den Menschen dazu, eine neue innere Freiheit in individuellem Sinne zu erfahren als die Grundlage der Bewusstseinsseele, welche wollen kann, die "Philosophie der Freiheit" im Leben praktisch zu realisieren.

Immer mehr schienen mir die Kräfte, die ursprünglich draussen als die Hülle wirkten und später nach innen umstülpten, in der Herzgegend konzentriert eine Verwandlung durchzumachen. Und dann war ich eines Tages mit den Erinnerungen an das frühere Leben konfrontiert. Sie tauchten in meinem Bewusstsein in einer massiven Intensität auf, ohne dass ich eine Reinkarnationstherapie oder sonst Ähnliches gemacht habe. Als ich dies erlebte, wurde das Herz von mir als ein einzigartiges geistig-seelisches Organ erlebt. Im Vergleich zu den früheren Erfahrungen hatte diesmal die Erfahrung eine gesteigerte Intensität. Unabhängig von meinem Alltagsbewusstsein hat nun das Herz ein anderes und eigenständiges Bewusstsein. Es besitzt ein anderes Gedächtnis als das Alltagsgedächtnis und hat die Fähigkeiten, die Dinge und die Menschen, welche ich in der Aussenwelt wahrnehme, zu unterscheiden, ob eine Sache, ein Ort, ein Mensch für mich durch eine karmische Verbindung einen innigen Ewigkeitscharakter besitzt oder nicht.




Auf den Ort und auf den Menschen, die ich seit früheren Inkarnationen kenne und innig liebe, reagierte das Herz in einer äusserst heftigen Art und Weise. Der übersinnliche und geistig-seelische Strahl, der von so einem Ort oder so einem Menschen konkret ausging, hatte eine Wirkung auf mich, dass der Strahl wie ein starker physischer Schlag an der Oberfläche meines Herzens aufprallte. Weil der Aufprall am Herz so intensiv war, wurde er wie ein physischer Schlag erlebt. Und der Schlag versetzte mein ganzes Wesen augenblicklich in eine Art geistig-seelisches Zittern. Dieses Zittern ist ein mächtiges kosmisches Wort, das geistig-seelisch in mir klingt. Ja, sogar wurde ich selber zu dem Wort, das im einzigartigen Klang sich selber erfährt. In diesem zitternden Klang öffnet sich ein Bild oder eine andere Wahrnehmung, die ich als Idee in eine Gedankenform übersetzen kann. Das ist eine Intuition, in der der ganze Mensch intensiv ergriffen ist.

Und so gewann ich plötzlich einige "Roh-Erkenntnisse" innerhalb einer kurzen Zeit. Nun musste ich als meine bewusste Antwort auf diese noch ziemlich wilden Erlebnisse eine Möglichkeit herausfinden, diese neue Art der Wahrnehmung und der Erkenntnis auf irgendeine Art und Weise geisteswissenschaftlich zu überprüfen - das heisst, systematisch nach den bestimmten Gesetzmässigkeiten und Gesichtspunkten die klaren Zusammenhänge zu dem heutigen Leben und zu meiner heutigen realen Person sichtbar zu machen. Wenn ich solche übergeordnete karmische Gesetzmässigkeiten und Gesichtspunkte zur Verfügung haben kann, dann kann ich eigenständig überprüfen, ob meine ganze Wahrnehmung eine reale geistige Tatsache bedeutet oder nicht. Mir reichte ja sowieso nicht aus, innerlich zu sagen, das war falsch oder richtig. Ich musste unbedingt solche allgemeine Gesetzmässigkeiten herausfinden, damit ich mit diesen massiven Wahrnehmungen fertig werden konnte. Es war für mich neben dem geisteswissenschaftlichen Forschungsdrang eine äusserst existenzielle Schicksalsangelegenheit.

So begann ich anhand der Hinweise Steiners an den konkreten biographischen Tatsachen im jetzigen Leben und an den übersinnlichen Wahrnehmungen zu forschen. Ich forschte dabei, ob ich daran die allgemein wirkenden Gesetze feststellen kann. Ich setzte mich auseinander mit den konkreten Beispielen der Reihe der Reinkarnationen der Individualitäten in den Karmavorträgen, um auch dort an den Zusammenhängen, die zwischen mehreren Erdenleben vorhanden sind, etwas Gesetzmässiges zu beleuchten. Die Hinweise Steiners in den Karmavorträgen waren und sind die wichtigsten Grundlagen, aber dennoch - fand ich nicht sehr viele mit klaren Begriffen erarbeitete Gesätzmässigkeiten darin vor. Steiner ist während diesem Prozess der Ausführungen bereits verstorben! Also es gab keine andere Möglichkeit mehr übrig als geduldig immer wieder von den konkreten Tatsachen auszugehen und die Zusammenhänge zu erkennen und eigenständig die Gesetze daraus herauszukristallisieren. Mit der Zeit gelangen mir doch einige allgemeine Gesichtspunkte zu erarbeiten, die eine wesentliche Logik des Karma, eine "Karmalogie" ausmachen.

Teil 2 folgt

Junko Althaus



























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Junko Althaus

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