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Montag, 20. Dezember 2010

Philosophie der Freiheit - eine paulinische Erkenntnistheorie





Hier geht Steiner auf das Prinzip der Geistigkeit von Paulus in Bezug auf seine Philosophie der Freiheit ein.



Aus dem 6. VORTRAG
Berlin, 4. September 1917,
Ga 176 "Das Karma des Materialismus"

....So ist das wahre Verhältnis zwischen Wahrheit und Wissenschaft. Wirkliche Wissenschaft ist Ergänzung des Scheines zur vollen Wirklichkeit. Und von dieser Idee ausgehend, daß die Welt in ihrer ersten Gestalt, wie sie den Sinnen vorliegt, durch uns - nicht durch sich - uns unwirklich erscheint, und daß wir diese Gestalt der Welt, die durch uns eine unwirkliche ist, im subjektiven Arbeiten zur Wirklichkeit machen, darf ich diesen Gedanken den paulinischen Gedanken auf dem Gebiete der Erkenntnistheorie nennen.
Denn es ist nichts anderes, als, auf das philosophische Erkenntnis-gebiet übertragen, der Gedanke der paulinischen Erkenntnistheorie, daß der Mensch so, wie er in die Welt getreten ist durch den ersten Adam, diese Welt in einer untergeordneten Art vor sich hat, und sie erst durch das, was er durch den Christus wird, in ihrer wahren Gestalt erlebt. Das Christentum kann warten in der Philosophie, in der Erkenntnistheorie.

Aber nicht darauf kommt es an, daß man die Erkenntnistheorie damit beginnt, daß man irgendwelche in der Theologie gebräuchliche Formeln an die Spitze setzt, sondern auf die Art des Denkens. Und ich darf sagen: In den Schriften «Wahrheit und Wissenschaft» und «Philosophie der Freiheit», trotzdem sie ganz aus der Philosophie heraus gearbeitet sind, lebt paulinischer Geist. Von dieser Philosophie aus ist es möglich, die Brücke hinüber zu finden zu dem Christus-Geist, wie man von der Naturwissenschaft aus die Brücke zum Vater-Geist finden kann.....


Mein Aspekt, - Paulus hatte die Mission,
die sinnenfreie Christus-Strömung einzuführen -
den ich in den letzten zwei Artikel vorgestellt habe,kommt hier zum Ausdruck.
Steiner nennt die Philosophie der Freiheit eine paulinische Erkenntnistheorie.
Und diese Erkenntnistheorie hat die Aufgabe, das Wirkliche zu erkennen, was den Sinne vorliegt
Die irdisch-sinnlichen Wahrnehmungen und Erinnerungen, Tatbestände haben nur den Charakter des Vaters,aber noch nicht den des Christus.


Das Christlich ist es erst,
wenn diese irdisch-sinnlichen Erinnerungen, Tatbestände
in unserem tätigen Erkennen ätherisiert werden und
die darin verborgenen geistigen Tatsachen und Zusammenhänge zum Vorschein kommen.
Das ist für mich im Sinnes des Paulus und Steiners eine "Ätherisation".


Die Bestrebung, dass der Mensch keine geistige Tatsache
aus den irdisch-sinnlichen Bildern ätherisieren will,
oder das Christliche an den irdisch-sinnlichen Erinnerungen oder Formen festhalten will, wird materialistisch, auch wenn es inhaltlich um etwas Spirituelles geht.


Junko Althaus








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