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Sonntag, 2. März 2014

Einführende Gedanken des Herausgebers zur Schrift «Die moralische Intuition» von Junko Althaus



Einführende Gedanken des Herausgebers zur Schrift «Die moralische Intuition» von Junko Althaus

Junko Althaus, die in Japan geboren ist und bis zu ihrem 30. Lebensjahr dort lebte, wagt sich in diesem Buch an ethische Grundfragen bezüglich der Freiheit heran, die ihre Wurzeln scheinbar in einem ausschliesslich westlich geprägten Denken haben. Es handelt sich um das philosophische Frühwerk Rudolf Steiners Die Philosophie der Freiheit, mit dem sich dieser österreichische Geistesforscher am Ende des 19. Jahrhunderts der vom Kantianismus beherrschten Doktrin des akademischen Denkens entgegenstellte.  


Die Frühwerke Steiners – «Die Philosophie der Freiheit» und «Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung» bilden den Ausgangspunkt zu den Ausführungen von Junko Althaus. Das kommt auch darin zum Ausdruck, dass der Titel des Buchs Die moralische Intuition direkt der Schrift Die Philosophie der Freiheit entnommen ist. Die moralische Intuition wird nach Steiner durch die Anwendung des reinen Denkens gewonnen, das von ihm als ein sinnesfreies, rein in sich begründetes Denken dargestellt wurde. 


Es stellt sich der Leser zur Orientierung die Frage, bevor er ein Buch in die Hand nimmt, an wen es sich richten soll? Das Buch sollte zunächst die Antwort auf einen Wunsch der Menschen sein, die mit mir und Junko arbeiten und arbeiteten: Die Arbeitsweise, die wir in unseren Kursen und Ausbildungen vermittelten, in schriftlicher Form zu dokumentieren. In diesem Prozess stellte sich auch die Frage bezüglich der inneren Haltung: Inwiefern entspricht meine Erkenntnishaltung dem geistigen Anliegen, welches uns die Philosophie der Freiheit nahe legen will? Wann ergibt sich ein Widerspruch, in dem ich zwar scheinbar korrekt die Anregungen verwende, die Steiner später in seiner als Anthroposophie bezeichneten Geisteswissenschaft entwickelte, und dennoch entfremdet sich meine Ausführung vom ethischen Freiheitsimpuls, der von seinem Frühwerk ausgeht? 


Dies kann zu der Frage werden: Wie kommt es, dass man überzeugt ist, aus dem Geist der Philosophie der Freiheit zu denken und zu handeln, – bei näherem Zusehen muss man allerdings feststellen, einem in sich unbewusst und tief verwurzelten Kantianismus, den Steiner überwinden wollte, verfallen zu sein? Der kantianische Ansatz ist im westlichen Denken viel tiefer verankert als man sich normalerweise vorstellt. Aus dem Grund geschieht es leicht, dass Anthroposophie von uns wenig im Geiste Steiners, sondern viel mehr in kantianischer Gebots- und Pflicht-Haltung vertreten wird. Damit ein Unterschied zwischen den beiden Erkenntnishaltungen klar wahrgenommen werden kann, dazu war es nötig, dass die Autorin im ersten Kapitel  mit dem Kategorischen Imperativ Kants sich auseinandersetzen wollte, um dann in weiteren Kapiteln Die Idee der Freiheit in ihrer Verwirklichung als Moralische Intuition als Antwort hinzustellen.

Die Art und Weise wie Junko Althaus dieses Thema angeht, erscheint mir in der Landschaft der bis dahin erschienenen Aufsätze, die sich mit der im Werk Rudolf Steiners betonten Gegensätzlichkeit zu Kant auseinandersetzten, noch neu. Denn bis dahin wurde meistens nur dem Gesichtspunkt Grenzen der Erkenntnis Aufmerksamkeit geschenkt. Mit Junko Althaus tut sich dieser ebenso wichtige Aspekt in der Auseinandersetzung zwischen Steiner und Kant auf. Ihn ins Auge zu fasssen, erscheint mir gerade für die Herausforderungen, vor denen wir im Umgang mit dem Werk Rudolf Steiners stehen, von ausserordentlicher Wichtigkeit zu sein.


Christian Althaus




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Junko Althaus

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