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Donnerstag, 18. Oktober 2012

Zu meiner Methode der Karmaforschung auf Grundlage anthroposophischer Geisteswissenschaft





Zu meiner Methode der Karmaforschung auf Grundlage anthroposophischer Geisteswissenschaft





Weil die Fragen in Bezug auf meine Forschung nach dem Karma in letzter Zeit öfters gestellt werden, möchte ich hier wieder etwas mehr darüber darstellen. 


Zuerst möchte ich einen Kommentar von mir im Egoistenblog direkt wiedergeben, in dem ich auf eine Frage von Herrn Manfred Röhr nach meiner Forschungsmethode geantwortet habe.


"Ich bin jetzt dabei, die Schriften für die Biographie-und Schicksalsforschung zu verfassen im Sinne des Studien-und Forschungsmaterials, weil schon öfters von uns eine schriftliche Arbeit über die Methode und die Themen von den Ausbildungs-Teilnehmern und -Absolventen gewünscht wurde. Die konkrete Arbeitsweise, wie ich oder mein Mann Christian in einer konkreten Forschung vorgeht, ist bis heute wirklich "esoterisch", aber nicht im okkulten Sinn, sondern, im wirklichen Wortsinn nach der Esoterik geblieben, weil die Methode, die Arbeits-Gesichtspunkte, die biographischen und karmischen Gesetzmässigkeiten, die alle von uns erarbeitet wurden, nur mündlich den Ausbildungsteilnehmern übergeben werden. Nur sie haben bis jetzt dieses Wissen und die Werkzeuge erhalten. Sonst haben wir nie wirklich richtig weiter gegeben. 

Jetzt ist es aber so, dass das erste Manuskript bald fertig wird. Das ist die allererste Grundlage für die Karmaforschung. Es geht dabei um die individuelle Anlage, die in der Biographie sichtbar wird. Meine Methode der Karmaforschung beginnt mit einer empirischen biographischen Betrachtung. Die Karmaforschung geht aus der exakten biographischen Arbeit hervor. Die Vision aus einem früheren Leben wird bei mir gar nicht extra erstrebt. Die Sache wird bei mir ganz empirisch, goetheanistisch, logisch bearbeitet. Dabei spielt neben R. Steiner auch der ursprüngliche Aristotelismus eine wesentliche Rolle. Eine echte Karmaforschung in meinem Sinne beginnt an der exakten Beobachtung an sich selber und am  Lebenslauf. "


Zitat Ende






Zusätzlich möchte ich noch etwas hinzufügen:


Wieso sind diese Dinge bis jetzt "esoterisch" geblieben? Ich habe eine gewisse Scheu vor der Veröffentlichung mancher biographisch-karmischen Gesetzmässigkeiten –, weil sie eigentlich nichts anderes als die modernen Mysterienweisheiten sind. Die Mysterienweisheiten können uns ernsthafte Schwierigkeiten bereiten, wenn wir nicht in fruchtbarer Art mit ihnen umzugehen in der Lage sind. Das weiss man auch aus den vielen Darstellungen von Rudolf Steiner. Den Umgang damit übt man intensiv in unserer Ausbildung in Biographiarbeit. Deshalb haben wir sie bis jetzt direkt mündlich den Teilnehmern in der Ausbildung/ Fortbildung weitergegeben. Man muss sich auch eine gewisse seelische Gesinnung aneignen, damit man mit ihnen in gesunder Art fertig werden kann. Wir richten sonst mit solchen Weisheiten für uns und für die anderen Menschen Unfug an. Aus diesem Grund möchte ich bewusst nur bestimmte Sachen nach Aussen veröffentlichen.  

Ich höre immer wieder Menschen sprechen: "Karmaforschung? Aber wie kann so etwas überhaupt möglich sein? Dafür muss man ja die höchste Stufe der übersinnlichen Erkenntnis erreicht haben. Man braucht nicht nur Imagination, Inspiration, sondern Intuition. Die kann nur ein hoher Eingeweihter haben." 

Diese Frage kann ich im gewissen Sinne sehr gut nachvollziehen. Sie ist auch berechtigt. Das ist richtig, dass man jene höchste Stufe der Erkenntnis erreichen muss, um eine "wirklich klare Karmaerkenntnis" zu erlangen. Nun ist es aber in Wirklichkeit so, dass man nicht mit einem Ruck beliebig eine Intuition erreichen kann. Man muss an einer Sache "forschen", – deshalb Karmaforschug – das heisst: man muss sich auf einen Erkenntnisprozess, der zum Teil eine längere Zeit dauert, einlassen. 

Um die Intuition zu erreichen, reicht selbstverständlich ein normales Denken nicht aus. Nun kann man aber zurückfragen: "Es ist richtig, man braucht die höchste Stufe der Erkenntnis, gibt es dann aber eine sichere Erkenntnismethode, um feststellen, wer ein hoher Eingeweihter ist oder nicht und wie er und in was er eingeweiht ist?" Kann jemand eine solche Methode geben, nach der man sicher die obigen Punkte unterscheiden kann? Dafür braucht man wiederum eine Erkenntnismethode des Karmas. 


Gibt es eine Erkenntnismethode, die uns vom Verstandesdenken zur Intuition weiterschreiten lässt?



4 Intuition
3 Inspiration
2 Imagination

1 Verstandesdenken


Jeder Mensch ist immer – mindestens ein wenig - mit allen diesen höheren Erkenntnisgebieten begabt. Wenn wir gar keine Möglichkeit hätten, eine Verbindung zu diesen drei oberen Gebieten aufrecht zu halten – natürlich geschieht das in den meisten Fällen nur unbewusst – könnten wir auf der Erde nicht richtig menschenwürdig leben. Die Eingeweihten sind diejenigen, die eine solche Beziehung ganz "bewusst" herstellen können. 
Man kann aber tatsächlich an der Fähigkeit der Intuition und der Inspiration, die ganz besonders für ein karmisches Verständnis und Heilen zentral wichtig sind, üben. Die Imagination allein hilft aber noch nicht wirklich, um etwas wirklich heilsam umzuwandeln. Sie kann gerade die Menschen verwirren, wenn man keine Inspiration dazu bekommen kann.

Aus diesem Grund erstrebe ich nicht extra, etwas konkret aus einem früheren Leben zu sehen. Diese Absicht habe ich auch nicht in einer Arbeit mit einem Menschen. Ein Bild kann sehr verführerisch sein und den Menschen eventuell von dem eigentlichen Teil der Schicksals-Erkenntnisarbeit wegführen. Aber wenn ein Bild so spontan kommt oder auf natürliche Weise aus der Betrachtung hervorgeht, dann ist es nicht bloss abzulehnen. Dann kann es stufenweise überprüft werden. Meine Methode ist ziemlich bodenständig und wenig spektakulär.

So steht immer eine exakt-logische Bearbeitung im Vordergrund, damit die Menschen eigenständig die Ahnungen, Gefühle oder Bilder, die in Ihnen entstehen, karmalogisch überprüfen können. Nichts wird bloss unbegründet als wahr oder falsch beurteilt.

Wichtig ist, dass die realen Lebenstatsachen exakt und logisch nach den Entwicklungs- und sonstigen höheren Gesetzen betrachtet und bearbeitet werden. Das geschieht nicht in einer Meditation, sondern in einem "vollwachen aber tiefmeditativen Denken". Ich stelle nichts allein unbegründet fest. Alles wird im gemeinsamen Dialog entwickelt. 

Denken, Fühlen, Wollen werden ohne inhaltliche Selektion oder schnelle moralische Beurteilung möglichst klar im Denken gespiegelt. Dadurch ergibt sich inspirative Erkenntnis (Zusammenhänge) in unterschiedlichen Graden. Und die Intuition - vor allem zuletzt eine moralische Intuition ist das Entscheidende, das gewonnen wird. Sie ist eine hochgeistige und zugleich ganz praktische Erkenntnis für die real bestehende Lebenslage.

Sie ist eine wahre Antwort, die aus dem Innersten des Individuums herausspringt. Sie  bringt das Karma in Ordnung und heilt es. Und sie ist eine aktuelle und konkrete Geist-Erinnerung von dem, was das höhere Ich vor der Geburt als ein geistiges Ziel für dieses Leben vorgenommen hat.

Wenn ich selber an einem Karma forsche – als meine eigene Arbeit–, dann wird auch die Wahrnehmung, die unmittelbar über die normalen Sinne hinausgeht, im Erkenntnisvorgang miteinbezogen. Aber sie ist immer zuerst nur eine Wahrnehmung und noch keine Erkenntnis. Jede übersinnliche Wahrnehmung, die ich selber habe, überprüfe ich nach und nach und stufenweise nach dem logischen Arbeitsprinzip. 


Ich forsche immer viele Angelegenheiten auf einmal. Viele Sachen sind im Zustand dieser "Roh-Wahrnehmung". Das kann eine Art Imagination oder "Roh-Inspiration oder -Intuition" sein, aber sie ist noch bloss in der Anfangsstufe meiner Karmaforschung und gilt noch nicht als eine eigentliche "Erkenntnis". Aber sie werden zuerst als Wahnehmungs-Stoff ernstgenommen und überprüft. Dieser Unterschied ist mir sehr wichtig. Ich behalte immer gegenüber meiner eigenen Wahrnehmung ein gewisses Skepsis. Ohne diese Haltung kann man jederzeit von einer Unwahrheit verführt werden. 

Die logische Bearbeitung, die in unterschiedlichen Stufen und Ebenen verläuft – das ist fast der intensivste Arbeitsteil der inspirativen Zusammenhänge – gibt mir zuletzt eine definitive innere Klarheit, die ich zuletzt mit meinem eigenen irdischen Denken mit Hilfe der Logik klar nachvollziehen kann. (Diese unterschiedlichen Arten der Logik spielen die entscheidende Rolle bei meiner Forschung.)


Die Wahrnehmung oder nur das Bild allein geben uns noch nicht diese Art des Nachvollziehens. Nun ist aber das Nachvollziehen-Können eigentlich dasjenige, was die Menschen frei macht. Wenn der Vorgang so weit gekommen ist, dann ist "die Erkenntnis" dazu reif, um den anderen Menschen erklärbar dargestellt zu werden. Dann haben auch die anderen Menschen die Möglichkeit, in ihrem Denken die Zusammenhänge, die sich ergeben haben, nachzuvollziehen. Alles Andere ist noch nicht reif, um als Erkenntnis zu gelten. Darüber spricht Steiner ausführlich in seiner Ausführung über das "Herzdenken". 

So trage ich zum Teil mehrere Jahre lang viele Forschungsfälle in meinem Bewusstsein. Ich mache mal eine Schublade auf und wieder mal die andere, um die Forschung fortzusetzen, je nachdem was das Leben mir entgegen bringt. 

Junko Althaus



















Montag, 15. Oktober 2012

Kommt Steiner in seiner neuen Inkarnation wieder zum irdischen Goethanum?







Als ich vor 16 Jahren nach Deutschland kam, hörte ich einige merkwürdigen Dinge, die als eine Aussage Steiners von Mensch zu Mensch weitergesagt wurden. Eines von ihnen war dasjenige, was ich schon öfters im Blog behandelt habe, dass "Japaner kein Ich haben", was ein völliger Quatsch ist. Das zweite, was ich gehört habe, war etwas, was dem ersten Gerücht in einer Art völlig entgegengesetzt ist. Steiner habe gesagt, wenn die Anthroposophie in Europa nicht genug durchgreifen kann, werde die Anthroposophie in Japan sich weiter entwickeln.

Ich erlebte einige ältere Anthroposophen, die ernsthaft davon sprachen - nicht nur einmal oder zweimal. Wahrscheinlich weil ich eine Japanerin bin, hat man im Gespräch mit mir an diese "sogenannten Aussagen Steiners" erinnert, und deshalb habe ich auch oft davon gehört.

Das hat mich damals ein wenig verwirrt, weil einem solchen Gerücht ein klarer Hintergrund  fehlt. Ich weiss bis heute nicht, woher diese Aussage kommt und warum diese Aussage unter den Anthroposophen nach 80 und 90 Jahren ziemlich rege krusierte. Doch diese Aussage kann ich heute im gewissen Sinne nachvollziehen, weil Steiner z.B. auch von dem Charakter des Denkens bei den Japanern sprach. Die Japaner haben ein Denken, das in die (geistige) Wirklichkeit hineinragt, das bei den Europäern nicht der Fall ist. Er erwähnt ausserdem bereits Anfang des 20. Jahrhundert: Japan gehört von seinem weltlich-politischen Charakter her zu den europäischen Ländern, auch wenn sie von der Geographie her zu Asien gehören.

Das Dritte, was ich hörte, war, dass Steiner einmal auf den Dornach-Hügel blickend gesagt habe: Na, ob sie mich reinlassen, wenn ich wieder komme? Diese Aussage hat mich seitdem nie losgelassen, weil ich sofort gedacht habe, dass es zweifellos von ihm selber stammt. Die Art des Ausdrucks - nicht böse, aber leicht ironisch zu den Dornach-Anthroposophen, die für ihn zu gläubig waren - und auch der Inhalt - das ist typisch für Rudolf Steiner.


Junko Althaus




























Donnerstag, 6. September 2012

Karmische Konstellation zwischen Ita Wegman, Marie Steiner und Daniel N. Dunlop Teil 2





Die Fortsetzung von

"Karmische Konstellation zwischen Ita Wegman,  Marie Steiner und D. Dunlop Teil 1"
http://philosophie-der-freiheit.blogspot.ch/2012/09/karmische-konstellation-zwischen-ita.html




Nun möchte ich den im Teil 1 genannten Brief von Wegman an dem jungen Österreicher Walter J. Stein, der in England lebte (der Brief ist im Band 2, Wer war Ita Wegman, E. Zeylmans abgedruckt ), wörtlich wiedergeben. Der Inhalt dieses Briefes ist sehr tiefgehend. Trotz der ruhigen Art der Beschreibung merkt man, wie sehr Wegman von dem Veröffentlichungsplan von der Dunlop-Gruppe enttäuscht war. Keine polemische Kritik ist in ihrem Brief zu finden. Aber in aller Klarheit nahm sie die Distanz von der englischen Gruppe um Dunlop. 

Sie beschreibt im Brief, dass es ihr nach dem Jahreswechsel 1934/35 klar wurde, dass in der Gruppe von Dunlop die geistige Idee der Weihnachtstagung nicht angekommen sei. Es ist offensichtlich, dass Wegman trotzdem weiterhin D. Dunlop und die anderen englischen Freunde schätzte, so wie sie trotz der schweren Anschuldigung weiterhin Marie Steiner schätzte. Aber es war für Wegman eindeutig, dass der Impuls von Rudolf Steiner nach der Weihnachtstagung auch nicht bei der Gruppe um Dunlop verwurzeln konnte. (Dunlop nahm an der Weihnachtstagung 1923/24 nicht teil, was Steiner stark enttäuschte. ) Aus dem Brief werden keine Deteils ersichtlich, was in der Generalversammlung in England neu befestigt werden sollte. Aber der Veröffentlichungsplan des Briefes Steiners an Wegman war für diese neue aufkommende Tendenz in England charakteristisch. 







Der Brief Wegmans wird unten zitiert (die Bemerkung im Klammer und die Bearbeitung mit Fett durch J. A.)


"Lieber Dr. Stein!
Arlesheim, den 9. Januar 1935

Den folgenden Tag nach Ihrer Abreise, aber schon während der Nacht, wusste ich ganz genau, dass ich noch zu warten habe mit einem Gehen nach England. In mir lebt so etwas ganz anderes, als was mir entgegengebracht wurde, dass ich mich nicht entschliessen kann, so weiter zu arbeiten, als ob nichts gewesen wäre, als ob ich nur eine kleine Ferienreise (sie hatte nach der Genesung ihrer Krankheit eine ausgedehnte Reise nach Palästina und Rom unternommen. Steiner wollte mit ihr zusammen diese Stätte besuchen.) hinter mir gehabt hätte. Es war mir vergönnt, einen Blick in die geistige Welt zu werfen, bin dem Christus und Rudolf Steiner begegnet, die mich zur Erde zurückschickten und von mir erwarten, dass ich etwas tue, anders als bis jetzt. Die Enttäuschung war doch gross, als ich aus Dunlops Rede entnahm, dass die Bewegung in England doch ein äusseres Gepräge annehmen sollte, ohne Unterschied der seelischen Qualitäten der verschiedenen Menschen. Damit ist dann auch wirklich die Weihnachtstagung endgültig aus der Welt geschafft. Es ist doch wirklich der karmische Zusammenhang zwischen Rudolf Steiner und mir ein wesentlicher Bestandteil der Weihnachtstagung. Das wissen viele Menschen im Goetheanum sehr gut, deshalb auch der Hass gegen mich, der konsequent durchgeführt wird. So lange wird der Hass bleiben, bis es gelungen sein wird, die Weihnachtstagung aus der Erinnerung der Mitglieder auszuwischen, damit eine Geschichtsfälschung vorgenommen werden könnte, um die Menschen nicht zum Karmaerleben zu bringen. Es wäre ungeheuer wertvoll gewesen, hätte England dies eingesehen und sich vorgenommen, auf keinen Fall die Weihnachtstagung zu vergessen, die, weil sie in der Totalität nicht durchgeführt sein kann, doch so fortwirken kann, dass jedes einzelne Mitglied des Vorstandes ernst genommen wird je nach seinem Karma mit dem Doktor oder mit der Gesellschaft oder mit anderen sonstigen karmischen Verbindungen. 

Wofür die Freunde zusammenkamen, das war doch nicht eine ehrliche Zusammenarbeit, sondern ein Versuch, wichtige Dokumente - Sie wissen, was ich meine -, von mir zu bekommen. Ich sehe darin nicht viel Gutes, möchte das auch nicht mitmachen. Deshalb habe ich Mr. Dunlop telegraphiert, nicht auf mein Kommen zur Generalversammlung zu rechnen.  Es wird sich schon zeigen, was kommen will. Das, was ich zu tun habe, ist doch, diejenigen Menschen um mich zu sammeln, die diese Verbindungen mit der Weihnachtstagung noch in der richtigen wahren Art in sich tragen. Es möge die Zahl der Ärzte klein sein, aber ich fühle auch, dass wenn dies nicht geschieht, etwas geistig Wertvolles zugrunde gehen wird, eine geistige Strömung, die ich zu hüten habe und die ich rein hinübertragen will.  Es ist sehr gut möglich, dass meine Arbeit in England durch die Umgruppierung der Menschen an der Generalversammlung, die so ein festes Gepräge angenommen hat, in England vorläufig zum Abschluss gekommen ist und dass die karmische Richtung irgendwo anders Fuss fassen will oder neu aufleben wird. Dieses ist von mir mit Liebe gesagt und mit Verständnis für den Entwicklungsgang von England. Was ich Sie bitten möchte, ist folgendes: ein wachsames Auge für Kent Terrace zu haben, damit dies nicht ganz aus meinen Händen fällt, denn dann ist die Türe für England für mich geschlossen. Das wäre ja dann doch für vieles schade. Hoffentlich verstehen Sie mich und bleiben Sie mir treu, ich meine meinem Wesen.

Wir haben alle die schönsten Erinnerungen an Sie und Ihr menschliches Auftreten.
Herzlichen Grüsse und vielen Dank, dass Sie gekommen sind. 
In treuer Verbundenheit 
Ihre Ita Wegman
P.S. Viele herzliche Grüsse an Ihre Frau und Clarissa Johanna. "





Teil 3 folgt



Junko Althaus




















Mittwoch, 5. September 2012

Karmische Konstellation zwischen Ita Wegman, Marie Steiner und Daniel N. Dunlop Teil 1





Der Grund, wieso Ita Wegman nach dem Ausschluss 1935 einsam blieb -, ist  relativ unbekannt. Ihr wurde die Aufgabe als Vorstandsmitglied genommen und die medizinische Sektion, die sie leiten sollte, hatte keine Verbindung zum Goetheanum mehr. Der zweite Weltkrieg trennte sie von Deutschland und Frankreich, wo sie wichtige Standorte für die Arbeit aufgebaut hatte. Sie wurde durch den Krieg in der Schweiz eingesperrt. Aber es gibt noch einen anderen wesentlichen Grund für ihre Einsamkeit.



Vor dem Massen-Ausschluss 1935 plante sie ihren Hauptwirkensort nach England zu verlegen. Aber das ist nicht zustande gekommen. Nicht wegen des Krieges, sondern weil sie diese Planung selber wieder verworfen hatte. Da hat ein sehr schwerwiegendes aber noch allgemein unbekanntes Drama stattfgefunden, das dem Massen-Ausschluss 1935 vorausgegangen war.



E. Zeylmans schreibt in seinem Buch "Wer war Ita Wegman Band 2", dass sie allein 1933 achtmal (!) in England gewesen ist. Sie hatte eine Hoffnung auf Initiativen in England gesetzt, weil der Konflikt in Dornach immer schlimmer wurde. Sie erkrankte aber 1934 und musste sich mehrere Monaten von der Arbeit zurückziehen. Dabei hatte sie eine Begegnung mit dem ätherischen Christus und Rudolf Steiner. Nach der physischen Genesung hat sie sich eine ausgedehnte Reise nach Palästina und Rom gegönnt, um die schweren Erlebnisse des Konfliktes zu verarbeiten. Sie veranstaltete 1934/35 Weihnachten in Arlesheim eine Weihnachtsfeier. Und die Engländer besuchten diese Veranstaltung, um mit ihr wieder über die Konkretisierung der Pläne in England zu besprechen. Dabei erkannte Ita Wegman aber eine Intention der englischen Gruppe, welche bis dahin für sie nicht offensichtlich war.



E. Zeylmans schreibt im oben genannten Buch (die Bemerkungen im Klammer durch J. A.) : "Aus diesem Schreiben ( einem Brief von Wegman an Walter J. Stein  am 9. Janur 1935) kann man schliessen, dass Dunlop (Daniel Dunlop, die leitende Figur der damaligen englischen Gruppe) in England die Errichtung eines anthroposophischen Zentrums als Antipode zu Dornach vor Augen stand. Einige Getreue kannten inzwischen offensichtlich spätestens seit einer Zusammenkunft in Bangor, Wals, im Sommer 1933) den Brief Rudolf Steiners an Wegman vom 11. Juni 1924 (dieser handschriftliche Brief von Steiner gilt als materieller Beweis für die gemeinsamen Inkarnation Steiners und Wegmans als Aristoteles und Alexander der Grosse und wurde erst durch E. Zelymans in seinem Buch "Wer war Ita Wegman Band 1" veröffentlicht ) und sahen aufgrund solcher ›Dokumente‹, die sie veröffentlichen wollten, Ita Wegman an der Spitze ihrer Bestrebungen. Auch Elisabeth Vreede hatte die Vorstellung, mit der Publikation dieser Texte in die Gesellschaftskrise heilsam eingreifen zu können. Wegmans Brief an Stein zeigt, dass sie nicht bereit war, auf dieses Vorhaben einzugehen. Ihr ging es darum, dass jedes einzelne Mitglied des Dornacher Vorstandes ernst genommen werde, je nach seinem Schicksalsband mit Rudolf Steiner oder mit der Anthroposophischen Gesellschaft..."

(Der Brief von Wegman, der hier gemeint ist, wird im weiteren Artikel Teil 2 wörtlich vorgestellt. )




Ita Wegman lehnte in einer Eindeutigkeit ein solches Vorhaben ab, als sie von diesem Veröffentlichungsplan erfuhr. Daraufhin liess sie alle ihre Termine für England, die schon feststanden, fallen. Sie blieb ruhig, hat aber den englischen Freunden unverwechselbar deutlich gemacht, dass mindestens für die nächste Zeit keine Zusammenarbeit mehr mit ihnen denkbar sei. 



Was wäre geschehen, wenn sie auf die Veröffentlichung des Briefes eingegangen wäre? Der Massen-Zwangs-Ausschluss 1935 hätte sicherlich nicht auf diese Art und Weise stattfinden können. Es wäre ein riesiges Chaos entstanden wegen des äusserst intim-persönlichen Charakters im Brief. Aber man hätte Wegman "aufgrund des materiellen Beweises" nicht so leicht zurückdrängen können. Aber was hätte sie dadurch zuletzt erreicht? Sie hätte die irdische Macht erlangt durch einen materiellen Beweis. Und sie hätte sich aufgrund eines solchen Beweises über alle anderen Menschen gestellt. Und die anderen Menschen, die zur Gruppe der Engländer gehörten, hätten um und mit Wegman die Macht erlangt. Aber stimmt eine solche Vorgehensweise mit dem modernen Christusimpuls überein? Man hätte Marie Steiner zutiefst  - in der Öffentlichkeit - verletzt. Die zarte private und geistige Verbindung zwischen Steiner und Wegman, die durch mehrere Jahrtausende gelebt  wurde, wäre ganz öffentlich und schutzlos zur Schau gestellt worden. Ein Fliegenschwarm unkontrollierter Skandal- und Neugierden-Sucht der Menschen hätte sich um den Brief gebildet. Mit der Veröffentlichung eines solchen Briefes, der damals kaum jemand ohne eine gewisse Vorbereitung richtig verstehen konnte, hätte man Rudolf Steiner und Marie Steiner schwer verletzen und entehren können. Das hätte der ganzen Bewegung geschadet.




Den genannten Brief Steiners an Wegman zu jenem Zeitpunkt zu veröffentlichen war eine grosse Versuchung für Ita Weman, in der sie aber voll und ganz standhaft blieb. Wenn sie darauf eingegangen wäre, hätte sie wirklich Marie Steiner und Rudolf Steiner verraten. Aber sie tat es nicht. Es ist schade, dass Marie Steiner es nicht merken konnte. Die Machtgelüste, die vor allem Marie Steiner und ihr Gefolge Ita Wegman vorwarf, stimmte nicht. Wegman war diejenige, welche die wohl sicherste Methode ihrer eigenen Macht-Erlangung - durch die Veröffentlichung des Briefes - ganz und gar ablehnte. Marie Steiner hat so viel in den Konflikten gelitten, weil sie meinte, Ita Wegman will die alleinige Macht. Aber das war nicht die Wahrheit. Das ist eine grosse Tragik der anthroposophischen Bewegung. 


Die Beschuldigungen der Seite von Marie Steiner und ihrem Gefolge gegen Ita Wegman, Wegman erstrebe die alleine Machtstellung in der Gesellschaft, war nicht ganz vollständig unbegründet, weil die englischen und einige andere Mitglieder, die zur Gruppe von Daniel Dunlop gehörten, den Plan durchführen wollten, eine Stabilisierung ihrer (Macht)-Stellung durch die Verbindung mit Wegman in der Gesellschaft zu erlangen. Sie glaubten an die Berechtigung an eine solche Veröffentlichung. Ihnen war es sicherlich nicht bewusst, wie sehr eine solche Tat Maire Steiner und Rudolf Steiner zutiefst verletzt und entehrt hätte. Für sie bedeutete es ein zu grosses Hindernis, dass Marie Steiner und die anderen Vorstandsmitglieder und ihr Gefolge von Dornach aus streng zentralistisch und hierarchisch führen wollten. Die frische und offene Initiative von den Engländern erntete damals immer nur die grösste Empörung in der Dornacher Gruppe, so dass sie zuletzt notgedrungen einen solchen Plan der Veröffentlichung durchführen wollten. Aber es wurde verhindert, weil Wegman es nicht zuliess. Marie Steiner und Rudolf Steiner verdankt dies der geistig-moralischen Wachheit von Wegman. 



Allerdings denke ich, dass Wegman dieses Vorhaben der englischen Freunde lange nicht richtig durchblicken konnte. Sie machte lange mit der Vorbereitung aller Pläne mit. Wenn Wegman früher eine solche Willensrichtung von ihnen klar bemerkt hätte und sich davon viel früher distanziert hätte, dann hätten die schweren Beschuldigungen an sie selber und die anderen vielen Menschen, die 1935 ausgeschlossen wurden, vielleicht mindestens zum Teil vermieden werden können. Die Gruppierung von Marie Steiner hat eine potenzielle und nicht ungefährliche Tendenz bemerkt, die in der Umgebung Wegmans tatsächlich vorhanden war. Nun  war es tragisch, dass von Marie Steiner diese Tendenz in Wegman selber gesehen wurde. Es war nicht wahr. Und Wegman selber diese Tendenz um sich herum nicht rechtzeitig erkennen und stoppen konnte. Es hätte noch etwas früher sein können. Dies alles kann man erst heute mit dem zeitlichen Abstand deutlich sehen. Aber diejenigen, die tatsächlich damals darinnen standen, waren alle äusserst betroffen und hatten keinen Abstand zu der Sache. Sie hatten nur eine begrenzte Möglichkeit, die Sache zu sehen, weil bei jedem das Karma gewaltet hat. 




Nun hat aber die Sache einen solchen Verlauf genommen, den die Geschichte uns erzählt. Wegman widerstand aber der Versuchung. So hat sie das Schlimmste, was daraus hätte entstehen können - sich selber eine unbestreitbare hierarchische Macht durch einen solchen geistigen und materiellen Beweis zu verschaffen - vermieden. Sie hat auf die hierarchische Macht, die sie hätte erlangen können, bewusst verzichtet und stattdessen behielt sie die innere Freiheit und Unabhängigkeit, welche viel viel kostbarer ist als eine irdisch-hierarchische Macht in einer Institution. So wie Jesus Christus auf alle geistige und weltliche Macht verzichtete und ans Kreuz gehängt wurde, hat Wegman auf das Erlangen der äusseren Macht verzichtet, auch wenn sie dadurch äusserst ausgegrenzt werden musste. 

Sie hat tief gelitten und ihre potenzielle Macht für das äussere Wirken wurde weitgehend zerstört. Es war ein modernes Mysterium im Zeitalter der Bewusstseinsseele, an dem der Christus intensiv mitwirkt. Sie bestand die Prüfung in diesem Mysterium des Karma und Schicksals. Dadurch kam sie im wahren Sinne des Wortes näher an Christus. Sie hat einen geistig- seelischen Sieg errungen, so dass sie durch die Verzicht auf die irdische und institutionelle Macht eine andere innere Macht - bedingungslose innere Freiheit - gewonnen hat. Diese innere Freiheit ist die einzige wahre Quelle für die aktive und ichhafte Liebe in unserer Zeit. Diese innere Unabhängigkeit ist diejenige, die der Christus durch seinen freiwilligen und schmerzhaften Erdentod uns geschenkt hat. So hat Wegman das Neue Mysterium, welches sie mit Steiner begann, auf der Erde abgerundet. Sie blieb weiterhin mit Steiner karmisch in einer unveränderten und unverletzten Innigkeit verbunden. Ihre geistige und seelische Freundschaft durch die Jahrtausende konnte sie für die Zukunft der Menschheitsentwicklung vor dieser ernsthaften Gefährdung retten.




Teil 2 folgt


Junko Althaus