
Freitag, 24. Juni 2011
Befreiung von der eigenen Gescheitheit

Mittwoch, 22. Juni 2011
Die geschichtliche Betrachtung Teil 2 - Der Bewusstseinswandel der Menschheit im 2. Weltkrieg und das Wirken des Christus
Dienstag, 21. Juni 2011
Ein japanischer Weg zum Allgemein-Menschlichen
Als Autor von mehr als 25 Büchern verfasste er neben wissenschaftlichen Standardwerken wie der "Geschichte der buddhistischen Philosophie" auch Publikumswerke, wie den Erfolgsband "Mit Buddha das Leben meistern. Buddhismus für Praktiker." Nähere Infos unter: www.volkerzotz.eu
Der Dauererfolg von "Mit Buddha das Leben meistern" und die zahlreichen positiven Reaktionen von Lesern, die sich eine Fortsetzung und intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema wünschten, veranlassten den Autor dazu einen Fernkurs im Stil des Buchs zu verfassen. Dieser wird von Komyoji durchgeführt: www.komyoji.at/content/grundkurs.htm (aus Amazon.de)"

......In dieser auf der Institution von Kloster und Mönchtum beruhenden Gestalt hat sich der Buddhismus aus Indien über weite Teile Asiens verbreitet und viele Länder entscheidend geprägt. Auch in Japan war er in dieser Form bereits fest verankert, als im Jahre 1173 Shinran Shônin geboren wurde.
Shinran, der Sohn einer Adelsfamilie, kam nach dem frühen Tod seiner Eltern mit neun Jahren in ein buddhistisches Kloster auf dem Berg Hiei bei Kyôto. Es war dies eines der bedeutendsten religiösen Zentren Japans. Obwohl dort in jenen Tagen viele ernsthaft strebende buddhistische Mönche lebten, die sich intensiv dem Studium der Philosophie und der Meditation widmeten, gab es doch auch andere, für die der Buddhismus zur Nebensache geworden war. Vielen Mönchen ging es mehr um Einfluss und Karriere als um geistige Werte. Die Klöster nahmen regen Anteil an den Machtkämpfen des Adels, und der Klerus vom Berg Hiei besaß sogar ein eigenes Heer. Shinran interessierte sich nicht für Ruhm und Karriere. Intensiv rang er um das vom Buddha gelehrte Erwachen. Doch nach zwanzig Jahren hatte er das Gefühl, ein Versager zu sein. Askese und Meditation hinter den Klostermauern schienen ihn seinem Ziel nicht näher gebracht zu haben. Er empfand sich weitab von jeder Vollkommenheit, sehnte sich nach echter Gemeinschaft mit anderen Menschen: War er unfähig für den Pfad des Buddha? Hatte er sich von seinen Leidenschaften überwältigen lassen?
In seiner Verzweiflung zog er sich in einen Tempel zurück, wo er hundert Tage in Klausur blieb. Dabei soll ihm in einer Vision Avalokiteshvara erschienen sein, der Bodhisattva, der das Mitempfinden des Buddha verkörpert. Der Bodhisattva brachte ihm die Erkenntnis, dass es nicht der Abgeschiedenheit bedarf, um den buddhistischen Weg zu gehen. Dies folgte aus seiner Botschaft, dass sich gerade in dem Menschen, zu dem man sich hingezogen fühlt, der Bodhisattva selbst verkörpert.
Durch die Vision bestärkt, entschloss sich Shinran, das Klosterleben endgültig aufzugeben, um unter die Menschen zu gehen. Sein Weg führte direkt zu einem bedeutenden buddhistischen Meister, dessen Ruf zu ihm gedrungen war: Hônen Shônin (1133-1212). Auch Hônen hatte längst die Klostermauern hinter sich gelassen, um entgegen dem damaligen Brauch allen Menschen die Lehren des Buddha nahe zu bringen. Nach Hônens Überzeugung sollte der Buddhismus nicht den Mönchen in wohlhabenden Klöstern und dem reichen Adel vorbehalten bleiben. So unterwies er ganz selbstverständlich auch Fischer und Bauern. Hônen war ein großer Gelehrter seiner Zeit.
Fünfmal soll er während seiner Studien im Kloster den gewaltigen buddhistischen Kanon vollständig durchgearbeitet haben. Dennoch belehrte er die Menschen auf eine einfache Weise. Der Buddha hatte für ein Überwinden von Gier, Hass und Verblendung zahlreiche Methoden dargelegt, die Ethik und Meditation umfassen.
Hônen, der alle diese Methoden kannte, wählte aufgrund seiner spirituellen Erfahrung eine davon aus, die er als geeignet für alle Menschen empfand. Man nennt diese Übung im Sanskrit "Buddhânusmriti" (japanisch: Nembutsu), was eine "Vergegenwärtigung des Buddha" bedeutet. Hônen bezog sich dabei auf die Meister Shandao (613-681) aus China und Genshin (942 -1071) aus Japan. Beide hatten auf Grundlage wesentlicher Reden des Buddha aufgezeigt, wie jeder strebende Mensch durch das Vergegenwärtigen des höchsten Zieles im eigenen Bewusstsein, nämlich der Buddhaschaft selbst, diesem näher kommt. In der Praxis vollzieht sich dieses Treten in die Gegenwart des Buddha zum Beispiel durch ein Visualisieren seiner Gestalt und das hörbare oder unhörbare Wiederholen seines Namens. Doch wird unter "Buddha" hier mehr verstanden als die Gestalt des Gautama Siddhârtha, der vor 2500 Jahren auf der Erde lebte. Der Buddha wird in dieser Praxis auf Japanisch als "Amida" angesprochen; ursprünglich ein Sanskritwort (amita), das "unendlich" bedeutet, denn Buddhaschaft ist ein Überschreiten aller Begrenzungen. Im höchsten Sinne bezeichnet man den Buddha daher als "Amitâbha" oder "Amitâyus". Amitâbha heißt "unendliches Licht" und ist Symbol für die räumliche Unbegrenztheit des Bewusstseins eines Buddha, das alles umfasst, gerade so, wie auch das Licht sich nach überall ausbreitet. Amitâyus bedeutet "unendliches Leben" und symbolisiert die zeitliche Grenzenlosigkeit der Buddhaschaft, die Todlosigkeit.
Sein Alltag unterschied sich alleine dadurch vollkommen von dem der anderen buddhistischen Gelehrten, die in den Klöstern wohnten. Was jene als niedere weltliche Pflichten verachteten, war für Shinran jedoch gerade das Feld der Bewährung seiner religiösen Erfahrung. Der indische buddhistische Patriarch Nâgârjuna hatte gelehrt, das Samsâra, die Wandelwelt, und Nirvâna, der erlöste Zustand, für den erwachten Menschen identisch sind. Shinran ließ diese Einsicht zu gelebter Konsequenz werden, indem er keine Unterscheidung zwischen Heiligem und Profanem vornahm. Auch nach Aufhebung der Verbannung blieb er freiwillig für einige Jahre in entlegenen, rauen Gegenden, um das Los der dortigen Menschen zu teilen und ihnen die Lehre des Buddha nahe zu bringen.
Begeistert hörte Shinran bei seinem Meister Hônen die Belehrungen über den unbegrenzten Buddha, dessen Wirklichkeit er im Aussprechen seines Namens "Namu Amida Butsu" erleben durfte. Er erfuhr, wie er auch als Mensch mit Beschränkungen und Fehlern würdig für die Buddhaschaft und ein Hinauswachsen über den Egoismus war.
Hônen lehrte keine komplizierten Übungen. Die Vorbereitung für eine Begegnung mit der Buddhaschaft war einfach und schwer zugleich: Die Annahme seiner selbst mit allen Schwächen und Fehlern. Der Schüler durfte sich nichts vormachen, was seine Verwirklichung, Begabung oder Berufung anging. Er hatte sich schonungslos als derjenige zu erfahren, der er war. Es setzte dies keine große Gelehrsamkeit voraus, jedoch die Bereitschaft zu größter Selbstehrlichkeit.
Das Wachsen der Anhängerschaft Hônens erzürnte die Hierarchen der mächtigen Klöster. Sie denunzierten Hônen am Kaiserhof und erreichten, dass er und seine Hauptschüler, unter ihnen auch Shinran, im Jahre 1207 getrennt in entlegene Provinzen Japans verbannt wurden, wo sie für ihr Überleben hart arbeiten mussten. Shinran sollte seinen Meister nie wieder sehen.
Schließlich ließ er sich in seiner Heimatstadt Kyôto nieder, um auch dort unermüdlich die wesentlichen Botschaften des Buddha zu lehren und in zahlreichen Schriften für die Menschen seiner Zeit zu erläutern.
Von den vielen wesentlichen Beiträgen Shinrans zum Buddhismus sollen hier einige als besonders bedeutend hervorgehoben werden:
Mythologische Grundlage für die Darlegungen Shinrans ist die Lehre von den "Reinen Ländern". Die alten buddhistischen Texte sprechen davon, wie Buddhas vor vielen Weltzeitaltern "Reine Länder" gegründet haben. Diese werden als Stätten möglicher Wiedergeburt bezeichnet, an denen das Wesen unter Anleitung eines Buddha dem Nirvâna entgegenreifen kann, wenn es sich auf der Erde vertrauensvoll dem Buddha zuwandte. Als bedeutendstes "Reines Land" gilt dabei jenes des grenzenlosen Buddha Amida. Shinran gab diesen Lehren einen neuen Akzent. Was zuvor meist eine Hoffnung für das Leben nach dem Tode war, bedeutete ihm eine Möglichkeit, die jeder Mensch bereits in diesem Dasein hat:
Wer sich selbst ehrlich betrachtet und sein schwaches Wesen mit der Wirklichkeit des Buddha konfrontiert, die untrennbar von unserer eigenen menschlichen Wirklichkeit ist, wird bereits hier und jetzt ein Bewohner des Reinen Landes. Er sieht die Welt und sich selbst auch mit den Augen des Buddha. Das universelle Geflecht von Beziehungen und Bedingungen, aus dem heraus sein Wesen entsteht, ist ihm keine Ahnung mehr, sondern erfahrene Wahrheit. Auch wenn ein solcher Mensch objektiv noch mit zahlreichen Schwächen und Mängeln behaftet ist, vergleicht ihn Shinran doch mit dem Bodhisattva Maitreya, dem größten aller Bodhisattva. Die Buddhaschaft ist ihm sicher.
Besonderen Nachdruck legte Shinran auf die Lehre von der "eigenen Kraft" (jiriki) und der "anderen Kraft" (tariki). Er begegnete damit einer der Hauptgefahren für die auf dem Wege des Buddha Strebenden: Der buddhistische Pfad soll den Egoismus, der sich in Gier, Hass und Verblendung zeigt, überwinden. Er soll bewusst machen, wie das Wesen nicht für sich und aus sich heraus besteht, sondern im Zusammenhange mit allem Dasein.
Geht man nun den Pfad des Buddha in der Absicht, sich aus "eigener Kraft" vom Egoismus zu befreien, kann schon diese Anschauung in Verbindung mit ethischer Disziplin und konsequenten Meditationsübungen das Gegenteil des Erstrebten bewirken. Das Ego, das überstiegen werden soll, wird in seiner Verblendung noch bestärkt. Denn wo man, wie eine Grundlehre des Buddha sagt, in einem großen Werdeprozess bedingt entsteht, da gibt es letztlich keine "eigene Kraft". Und so lehrte Shinran seine Schüler, nicht in diese Falle zu treten, indem er sie alles Fortschreiten auf dem Pfade als bewirkt durch die "andere Kraft" des unendlichen Buddha Amida erfahren ließ. Diese unerschöpfliche "andere Kraft" des Buddha nimmt alle Wesen an, die ihr eigenes Streben in dieser Weise Selbst-los betrachten. In diesem Sinne bemerkte Shinran einst: "Selbst der Gute erlangt das Reine Land, um wie viel leichter dann der Böse." Hiermit sprach er sich nicht gegen gute Werke oder für das Tun von Unheilsamem aus. Er legte jedoch offen, wie gerade der, der seine eigenen Fehler und Bosheiten selbstehrlich und klar erschaut, ganz nah an der Erkenntnis des Wesentlichen steht, wenn er dies zum Anlass nimmt, den Glauben an die Besonderheit seines Ego loszulassen. Durch ihn kann dann der Buddha wirken, wodurch die Werke des Menschen erst wahrhaft bedeutsam werden. Wer jedoch von seiner eigenen Gutheit überzeugt ist, sich in dem, was er vermeintlich kann, allzu sehr gefällt, dreht sich leicht im Kreise. Er haftet an seinem Ego und vollbringt mit harter Anstrengung, was jenem, der den Buddha in sich erfährt, mit spontaner Mühelosigkeit gelingt.
Shinran Shônin, dem Gelehrte wie einfache Menschen folgten, legte mit seinem Wirken den Grundstein für die bedeutendste Richtung des japanischen Buddhismus, die "Wahre Schule vom Reinen Land" (Jôdo Shinshû). Innerhalb des japanischen Buddhismus bekennen sich heute die meisten Menschen zu diesem Weg. So war es Shinrans Verdienst, die Lehren des Buddha und der bedeutendsten Heiligen in seiner Nachfolge aus der Exklusivität der Klöster zu tragen, um sie allen Menschen zugänglich zu machen. Jene Bruderschaft, die zur Zeit des Buddha nur von seinen besitz- und heimatlosen Schülern abseits des Kastensystems verwirklicht werden konnte, wurde durch Shinran zu einer Aufgabe für alle Menschen, die sich als Schwestern und Brüder in einem großen Werdeprozess und befreit im Erfahren des allumfassenden Buddha Amida erleben dürfen.
Als Shinran im Jahre 1263 im Sterben lag, soll er seine Schüler angewiesen haben, den toten Körper in einen Fluss zu werfen, damit er noch den Fischen als Nahrung dienen könne. Symbolhaft kommt in dieser Anweisung die tiefe Erfahrung der Einheit aller Lebewesen zum Ausdruck, aus der heraus ein Mensch jeden Egoismus aufzugeben vermag, um bis zuletzt das Wohl anderer im Auge zu haben.
(Volker Zotz: Der buddhistische Meister Shinran Shônin - Zusammenfassung eines Vortrages, gehalten 1987 in Wien; erschienen in der Zeitschrift Adyar 44.1989, Heft 1, S. 29-34.)
Sonntag, 19. Juni 2011
Die geschichtliche Betrachtung - Die Opfer für den Christusimpuls Teil 1
Sein Reich ist nicht von dieser Welt
Samstag, 18. Juni 2011
Die Buddhi und ihr Organ, das den Strom des Christus empfängt - das Herz
Im Artikel (zum Artikel „Gefährliche Gegensätze“ von Daniel Moreau in der Wochenschrift Goetheanum Nr. 11/12)
Die Stelle aus meinem Artikel werde ich hier noch einmal zitieren: "Die lebensspendende gegenseitige Rücksicht unter den Menschen im Sinne des Lebensgeistes, welche z.B. die Japaner für die Menschheit an sich tragen, ist so eine Medizin, damit die Bewusstseinseelenkultur durch ihren Missbrauch der individuellen Freiheit nicht untergeht. Die Überheblichkeit, die als ein Nebenprodukt der aus dem toten Intellekt hervorgeht, kann gerade durch die unmittelbar wirkende und jetzt beispielhaft zum Ausdruck gebrachten Bewusstseinsseele Qualität von seelisch strömender Lebenskraft geheilt werden. Die überpersönlich anmutende Liebe der Japaner im Sinne einer selbstlosen Aufopferung ist eine eindeutige Qualität des Lebensgeistes, die von der Menschheit ichhaft und bewusst ergriffen werden muss, so dass die Bewusstseinsseele vor der Gefahr ihrer Selbstvergiftung gerettet werden kann. Genau diese Notwendigkeit hat Japan der ganzen Welt gegenüber gezeigt als ein Land, das in einem kapitalistischen Wahn der Bewusstseinseele sich befindet....Die Ich-Menschen der Bewusstseinsseele im Westen denken: Ich habe recht und die andern sollen einsehen. Die Entwicklung im Westen stagniert auf der Stelle. Um diese Neigung auszugleichen benötigt die Menschheit mehr als nur die Qualität des Geistselbstes, das von Mitteleuropa aus mit der Entwicklung der Bewusstseinsseele entwickelt werden soll."
Dazu werde ich noch eine Stelle aus dem Vortrag Steiners zitieren, die ein gewisses Licht darauf wirft.
GA 94 "Kosmogonie",
"Die fünfte Unterrasse, das ist unsere anglo-germanische Rasse, die zum Ausdruck bringen soll das Geistselbst im Geistselbst, Manas in Manas. Das heißt, der Mensch wird begreifen lernen, was das Geistselbst eigentlich ist; der Mensch wird drinnenstehen in Manas. Manas wird endlich in sich selbst wirken. Heute begreifen nur wenige Menschen eigentlich das Manas. Das Denken mit dem Denken zu begreifen, das Denken im Denken zu erhaschen, die Ewigkeitsschlange fertig zu runden, das ist die Aufgabe der fünften Unterrasse. Das Denken ist das Organ, wo sich zunächst das menschliche Wesen wie an einem Zipfel ergreift. Dies im Menschen anzuregen, ist der Zweck meines Buches «Die Philosophie der Freiheit».
Die sechste Unterrasse ist die künftige. Das Geistselbst dringt bis in Buddhi hinauf; da scheint in Manas, wie ein Licht von oben, Buddhi in den Menschen herein. Zuerst aber ist Buddhi noch eine Gabe von oben. Diesem Hereinleuchten von Buddhi entspricht der christliche Begriff der Gnade. Der Anfang des Einfließens geht bis in die vierte Unterrasse zurück. Diesen Zeitpunkt haben wir als den Anfang des Christentums zu bezeichnen. Und derjenige, der Buddhi in die irdische Menschenwelt hereingebracht hat, ist der Christus Jesus. Und der Christus Jesus erschien als der Hereinbringer jener bisher völlig fremden Macht.
Zusammenfassend sei gesagt: Was der Mensch sich während der fünf Rassen angeeignet hat, das ist Manas – Manas, das Geistselbst. Ihm kommt wie eine Gabe von oben Buddhi entgegen, das entspricht der christlichen Grundidee der Gnade. Dieses also ist das Thema des Johannes-Evangeliums. Doch wie wurde dazu der Ansatz gemacht? Zwei Dinge müssen, mußten zusammenkommen, um Buddhi wirklich wirkend werden zu lassen: erstens, die Menschen mußten als Träger der bisherigen Entwickelung nun ein aus Manas gebildetes Organ für Buddhi haben. Sie mußten durstig sein nach Buddhi, durstig, über den Verstand hinauszukommen. Gehirnentwickelung endet ohne Zusammenhang mit den höheren Gliedern immer in einer Sackgasse, sie kommt über manasische Entwicklung, über astrale Dinge nicht hinaus.
Es gab solche Menschen, die aus dem Manas heraus der Buddhi ein hochentwickeltes Seelenorgan entgegenbrachten. Das muß so sein. Es mag noch so viel Licht scheinen, wenn kein Auge da ist, wird es nicht wahrgenommen. So ist es auch mit Buddhi. Es gab einen Namen für alle die Menschen, die ein solches Organ entwickelt hatten, die durstig waren nach der Buddhi, einen Gattungsnamen: Johannes. Er ist auch besonders anwendbar auf den Täufer. Christus und Buddhi ist dieselbe Strömung in geistiger Beziehung.
Wir müssen nun auch das andere bedenken: Manas gestaltet auch den physischen Menschen um. Allmählich erstarkten die Organe, allmählich gliederte sich das erstarkende Rückenmark ein, und es bildeten sich immer neue Kraftzentren. Diesen geistigen Vorgängen mußten wie immer leibliche entsprechen. Die Aufgabe der fünften Hauptrasse war die Etablierung von Manas, dem entsprechend im Körper: die Bildung des Gehirns. Es steht bevor in der sechsten Hauptrasse: Etablierung von Buddhi; Vollendung des Herzens als eines völlig willkürlichen Muskels. In der siebenten Hauptrasse: Etablierung von Atman; Vollendung des Atmens.
Wir sahen, wie das Herz und die Atmungsorgane sich bildeten. Im Zirkulationssystem ist mit dem Herzen vorgebildet die Buddhi-Entwickelung. Das Herz steht nämlich erst am Anfange seiner Entwickelung. Vor dem Herzen steht die Anatomie wie vor einem Rätsel, denn es macht in ihre Theorie ein Loch. Das Herz ist ein quergestreifter Muskel, wie alle willkürlichen Muskeln es sind, dabei ist das Herz aber ein unwillkürlicher Muskel. Damit verhält es sich nun so, daß es eben zu einem willkürlichen bestimmt ist, und zwar in der Zukunft, wenn Buddhi ausgebildet ist. Das Herz ist für die Zukunft organisiert, es wird dann ein überaus wichtiges Organ sein. "

Rudolf Steiner spricht im obigen Vortrag, dass eben das eigentliche Organ für das Geistselbst (Gehirn) nicht ausreicht, um den Christus wirklich persönlich im Sinne der Buddhi in sich aufzunehmen.
Er sagt: "Die Aufgabe der fünften Hauptrasse war die Etablierung von Manas, dem entsprechend im Körper: die Bildung des Gehirns." Aber allein das ermöglicht den Menschen noch nicht die Aufnahme des Christusstromes, der auf eine übermenschlich und übernatürliche Art ätherisch aber real vorhanden ist. Dafür braucht man einen allmälichen Übergang vom Gehirn, das das Hauptorgan des Manas ist, zum Herz, das ein Zukunftsorgan für die Aufnahme der Buddhi bestimmt ist. Ohne diesen Übergang kann der Mensch zwar weise über den Christus sprechen, kann aber nicht zu einem wirklichen Erleben kommen.
Für die Aufnahme der Buddhi bracht man unbedingt etwas so wie Steiner sagt: "Sie mußten durstig sein nach Buddhi, durstig, über den Verstand hinauszukommen." Genau dieser Verstand, der gewissermassen ein wichtiges Instrument für das Geistselbst ist, muss hinter sich gelassen werden, wenn man den Strom des Christus wirklich in sich aufnehmen will. Nach meiner Ansicht haben die Japaner sich darauf konzentriert, durch den Buddhismus die kommende Buddhi vorzubereiten. Das Geistselbst, das hier in Europa im Sinne des "Manas im Manas" ganz intensiv entwickelt wird, haben sie gerade nicht sehr beachtet. Die Japaner mussten die individuelle Ich-Empfindung weitgehend ausser acht lassen, denn sie hätten sonst nicht die überpersönlich betonte Buddhi vorbereiten können. Beides konnte man nicht haben. Das Geistselbst im Westen und die Vorbereitung der Buddhi im Osten, so mussten die Aufgaben verteilt sein.
So pflegten die Japaner die Elemente der Buddhi in ihrem neuen Buddhismus und entfalteten eine Religiosität, in der alle Menschen unabhängig von dem Grad ihrer Entwicklung die Gnade des Amida-Buddhas geniessen dürfen. Sie meinen, alle Dinge, alle Menschen und alle Geschehen sind miteinander verbunden. Nichts ist ganz getrennt von den anderen, so wie der Gotama Buddha sagte zu dem Prinz Ajata, der seinen Vater aus einer Unwissenheit heraus tötete und später unter dieser eigenen Schuld endlos litt: Deine Schuld ist auch meine Schuld. In dieser Aussage erlebt man die ähnliche Haltung der Selbstaufopferung, die des Christus, der ganz unschuldig die Schuld der Menschheit auf sich nahm. Und diese Art zu denken, die Verbindung aller Wesen und aller Dinge ist die Grundlage der Karma-Idee, die nicht verurteilend, sondern heilsam ist.
Allerdings mussten die Japaner die individuelle Ich-Empfindung ausser acht lassen. Man muss insgesamt sagen, die Japaner mussten keine Beachtung der individuellen Ich-Empfindung schenken, um die soziale und karmische Empfindungen für die kommende Buddhi zu pflegen. Und genauso mussten die Christen auf die Karma-Empfindung verzichten, um die individuelle Ich-Empfindung für das Geistselbst zu entfalten. Steiner spricht auf folgende Weise darüber:
"Eine hohe geistige Kultur finden wir damals unter verschiedenen Völkern bei einer primitiven äusseren Kultur, die sich einfachster Werkzeuge bediente. Damals hing der Mensch noch nicht so an der Erde. Dazu musste die Menschhei erst erzogen werden. Die Eroberung des Materiellen, alles, was wir heute in unserem Umkreis haben, wäre nicht möglich gewordenn, wenn der Mensch nicht gelernt hätte, die Erde liebzugewinnen. Dazu musste ihm der Überblick über seine wiederholten Erdenleben entzogen werden. Es ist die weise christliche Pädagogik, dass das eine Leben für eine Zeit lang in den Mittelpunkt gestellt wurde. Das musste einmal so sein, um die Reinkarnationswahrheit dann später dem Menschen auf höherer Stufe wiederzugeben. Darum spricht in seinen Reden für das Volk Christus nicht darüber, aber in intimen Kreise mit seinen Jünger spricht er davon, dass es das Karma gibt. (GA 94, 06.11. 1906)
"
Interessant ist es, dass auch der Gotama Buddha eigentlich gewusst hat, dass es die Ewigkeit gibt. Zwar sprach er im alten Hinayana-Buddhismus davon, dass alles vergänglich und nichts ewig sei. Aber das war nur ein Erziehungsmittel gewesen, so dass die Menschen nicht zu sehr an ihrem Ich hängen bleiben müssen, so sagt der Buddha selber im Sutra "Dainehankyo" des Mahayana-Buddhismus zu einem Schüler, der weit fortgeschritten ist. Der Buddha sagt, dass er so zum Volk gesprochen hat, weil die Menschen es nicht verstehen. Wenn sie vom Ich, das ewig ist, wissen würden, hängen sie zuviel daran. Sie sollten stattdessen an ihrer Seele arbeiten. Aber in Wirklichkeit sind Buddhas ewig und jeder Mensch hat in sich die Natur des Buddhas. Dadurch kann das unreine Ich gereinigt und das reine Buddha-Ich im Menschen geboren werden. Trotzdem ist die Idee über das ewige Ich etwas undeutlich im Buddhismus geblieben.
Nach meiner Ansicht ist es jetzt an der Zeit, dass das Geistselbst, das hier zur Entfaltung gebracht worden ist, einen neuen Impuls der Buddhi aus der Sphäre des Buddhas für die Weiterentwicklung des Christusimpulses aufnehmen sollte.
Das Geistselbst, das noch nicht die Buddhi in sich empfang, ist hier im Westen entwickelt. Und im Osten ist die Buddhi so gut wie möglich für die neue Sozialität als Karma-Empfindung vorbereitet, aber ohne das bewusste Geistselbst. Sie brauchen beide eine produktive Begegnung für ihre Weiterentwicklung.
Junko Althaus