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Donnerstag, 16. Februar 2012

Das Hereinbrechen des Zeitalters des ätherischen Christus - Eine kritische Auseinandersetzung mit den Christus-Gedanken von Judith von Halle




Das Hereinbrechen des Zeitalters des ätherischen Christus
- Eine kritische Auseinandersetzung mit den Christus-Gedanken von Judith von Halle im Buch "Die Christus-Begegnung der Gegenwart und der Geist des Goetheanums"


Das Hereinbrechen eines völlig neuen Zeitalters ist bereits eingetreten, in dem die Wiedererscheinung des Christus im Ätherischen zur Wahrheit wurde. Dieses Ereignis ist nicht zu begreifen mit der alten Vorstellungsart, in der man in der vierten Kulturepoche
von dem Mysterium von Golgatha, das in der physischen Welt geschah, gesprochen hat, denn wir stehen am Anfang einer ganz neuen moralisch-spirituellen Entwicklungsphase. Zum Erleben des ätherischen Christus braucht der Mensch keinen Vermittler. Ohne Guru und die sonstigen äusseren autoritären Einrichtungen kann der Mensch immer mehr seine eigene und persönliche Begegnung mit ihm erfahren, indem er durch den Christus zu einer äusserst intimen und effektiven Selbsterkenntnis geführt wird.

Frau Judith von Halle eröffnet ihr Buch "Die Christus-Begegnung der Gegenwart und der Geist des Goetheanums" (Verlag für Anthroposophie, 2010) mit den folgenden Worten:

" Der Begriff des ätherischen Christus oder der Erscheinung Christi in der ätherischen Welt ist eine Wortschöpfung Rudolf Steiners. Es ist uns heute ein Leichtes, uns dieses Begriffs zu bediehen - ja, man hört ihn innerhalb der anthroposophischen Bewegung gegenwärtig so häufig aus so vielen Mündern erklingen, als wäre das eigentliche Ereignis, welches gewissermassen hinter dem Begriff steht, nämlich die persönliche Begegnung mit dem Christus in der Äthersphäre, eine allgemeine Selbstverständlichkeit. Dabei ist es bei genaueren Hinhorchen evident, dass das beständige Im-Munde-Führen dieses Begriffes, der als Inbegriff einer «zeitgemässen» Einweihung verstanden wird, über einen offenbaren Mangel an eben diesem unmittelbaren Christus-Erleben mehr oder weniger hinwegzutrösten, vielleicht auch unbewusst hinwegzutäuschen versucht."



Dass das aktuelle Wirken des ätherischen Christus heute mehrfach thematisiert wird, ist nach der Feststellung von Frau von Halle gerade eine Erscheinung des Mangels des unmittelbaren Christus-Erlebnis. Nach ihrem Urteil tröstet man durch das mehrfache Thematisieren über das mangelnde unmittelbare Christuserlebnis hinweg. Dies ist aber eine Unterstellung für die Menschen, die sich über die Aussagen Steiners mit der Wiederkunft Christi ernsthaft auseinandersetzen.

Viele wollen heute ernst zu prüfen beginnen, was Steiner in einer tief innigen Weise wiederholend von dem Christus im Ätherischen sprach. Er stellte dieses Ereignis als ein zentrales Geschehen für unsere Zeit hin. Die Menschen wollen forschend eine Bestätigung dafür finden, dass der Christus heute tatsächlich in der Ätherwelt sich offenbart. Ja, sogar das ist ein Beweis dafür - einen solchen inneren Drang zu dem ätherischen Christus zu spüren -, dass viele heute das neue Wirken des ätherischen Christus persönlich ahnend erfühlen, auch wenn sie es nicht zugleich mit konkreten Mitteln beweisen können. Eine echte Forschung beginnt mit einer solchen intensiv ahnenden inneren Empfindung.




Frau von Halle beschreibt die Möglichkeit einer unmitttelbaren Begegnung mit dem ätherischen Christus im Sinne einer Einweihung, welche vom Besucher des ersten Goetheanums mit der fertig gestellten Figur des Menschheitsrepräsentanten hätte erfahren werden sollen. Nach ihrer Ansicht ist diese Einweihungsmöglichkeit nicht eingetreten, weil das erste Goetheanm zerstört und die Christus-Figur nicht fertig gestellt wurde.

"Der letzte Hammerschlag an der Zentralfigur wäre jener Augenblick gewesen, da das «eherne Meer» durchsichtig wurde. Und so wie im Augenblick des Eintritt des Christus-Geistes in die Erde zum Todeszeitpunkt auf Golgatha der Vorhang im Tempel von oben bis unten in zwei Teile zerriss, welcher alle Zeiten zuvor das Geheimnis des Allerheiligsten verhüllt hatte, so wäre in jenem Moment die schwarze Sphäre zerrissen worden, die den Blick des Menschen in die geistige Welt zuvor betäubt, die ihm sein Gewahrwerden der unmittelbaren Gegenwart Christi in der Ätherwelt verwehrt hatte."

Sie stellt dar, dass eine Schwarzspähre, die den Blick von der geistigen Welt trennt, "durch den letzten Hammer an der Zentralfigur des Christus" zerrissen worden wäre. Diese Schwarzspähre ist nach ihr diejenige, die das Gewahrwerden des Christus im Ätherischen unmittelbar verhindert.

Wer diese Stelle liest, kann die Empfindung haben: "Die allgemeine Trennwand zwischen dem Christus im Ätherischen und uns ist nicht beseitigt worden, weil das erste Goetheanum seine eigentliche Mission nicht erfüllt hatte. Die Trennwand zwischen dem ätherischen Christus und uns ist so geblieben." Die obige Darstellung von Frau von Halle kann den Leser in eine Stimmnug führen, in der er eine Resignation spürt und denkt: "Das erste Goetheanum wurde uns genommen. Das Böse hat uns es genommen. Wir sind deshalb Opfer und haben die Einweihungsmöglichkeit verloren, unmittelbar den Geist des ätherischen Christus in der Einrichtung des Goetheanums zu erfahren. Die Trennwand besteht zwischen ihm und uns, weil die komplette Fertigstellung des ersten Goetheanums nicht möglich wurde. Es ist tragisch und resignierend."


Es muss aber gesagt werden, dass das Hereinbrechen des neuen Zeitalters der Wiederkunft Christi, in welchem der Christus sich in der Ätherwelt uns offenbart, tatsächlich so wie Steiner voraussagte, in der Mitte des letzten Jahrhunderts eingetreten ist. Man kann diese Voraussage in der geistigen Schau bestätigen.

Das Eintreten der Wiederkunft Christi selber ist ein Ereignis, auf das kein anderes Wesen einen Einfluss hat. Das tritt völlig unabhängig von dem auf, ob das erste Goetheanum steht oder nicht. So wie niemand das Mysterium von Golgatha verhindern konnte, vollbrachte der Christus wieder sein neues Mysterium. Es ist eine höhere Notwendigkeit, die durch die Tat des Christus und die geistige Führung eingetreten ist,. Darauf hat kein Mensch, kein Wesen einen Einfluss.

Noch während des zweiten Weltkrieges geschah etwas Bedeutsames in der übersinnlichen Welt. Das Menschheits-Bewusstsein war so stark verfinstert auf der Erde. Die Seele der Menschheit erlebte eine beinahe völlige Verfinsterung und stand in einer noch nie erlebten Ohnmacht. An diesem geistig-seelischen Nullpunkt völliger Verzweiflung des Ich der Menschheit, welcher durch die gegenseitige endlose Tötung in der ganzen Welt durch das Einsetzen neuster intelligentester Technik verursacht wurde. Der Zusammenhalt der Menschheit im Menschheits-Ich wurde auf intensivste Weise angegriffen, weil die Menschen durch fanatische und einseitige Ideologien die wahre Dimension einer Menschheit völlig vergassen.

In dieser völligen Verdunkelung ist ein Ereignis eingetreten: Der Weltenvorhang, der die Menschheit von dem Christus noch im allgemeinen Sinne trennte, wurde mittendurch zerrissen. Das geschah, als das Herz der Menschheit in jenem grausam wüteten Krieg stark verdunkelt wurde. Es war ein Schrei des Menschheitsbewusstseins zu hören, der übersinnlich das kosmische Menscheitsbewusstsein in einer gewaltsamen Art durchhallte. Ein Schrei, der durch eine unbeschreiblich schmerzhafte geistige Geburt verursacht wurde, welche der Christus von innen her voll miterlebte. Und hinter diesem zerrissenen Vorhang offenbarte sich der Christus in seiner Äthergestalt, der die unendliche Liebe ausströmte, noch während jenes schrecklichen Weltkrieges. Aus einer völligen geistigen Ohnmacht erwachte das Menschheits-Ich zu einem neuen Zeitalter im Beisein des Christus.

Diese Tatsache - die Wiederkunft Christi im Ätherischen - ist deshalb ein menschheitliches Ereignis. Seitdem kann man ihn ohne eine Einweihung auch spontan im unmittelbaren Umkreis erleben - z.B. wenn man einen inneren Tod intensiv erlebt. In einem solchen Schicksalsmoment kann der Christus sich einem Menschen in seinem Ätherleib offenbaren, um ihn zu einer neuen Entwicklungsphase hinüberzuleiten. Er kann heute erlebt werden inmitten eines schweren Schicksalsschlages oder einer existenziellen Krise. Er wird völlig unabhängig von einem bestimmten physischen Ort erfahren werden und ist nie an einen konkreten Ort gebunden, auch selbstverständlich nicht an das erste Goetheanum.


Frau von Halle schreibt:
"So wäre reale Repräsentanz des ätherischen Christus in den künstlerisch bearbeiteten Stoff eingezogen, weil die Formen so aus dem Geiste heraus gestaltet gewesen wären, dass das geistige Wesen Christi das Werk vollständig hätte durchdringen können. Wie ein «ewiges Licht» wäre nun der Christus - in seiner ätherischen Offenbarung - in dem Bau selber anwesend gewesen; denn bewusst schauende und bewusst handelnde Menschen hätten Ihm dafür die Bedingungen geschaffen. Dies sollte das Geschenk der geistigen Welt sein - das freilich ausschlisslich unter den Händen einer Reihe von bewusst schauenden und bewusst handelnden Menschen hätte erschaffen werden können -, welches der Erdenmenschheit zu ihrem Heil hätte übergeben werden sollen.

Erst ab diesem Moment hätte der Besucher des Goetheanums den vollen praktischen Einweihungsweg durchmachen können..."

"Man muss sich einmal in innerer Ruhe vergegenwärtigen, was ein solches Erscheinen, eine solche Repräsentanz des ätherischen Christus an einem irdischen Ort bedeutet hätte!"


Die Autorin misst eine erhebliche Bedeutung dem verloren gegangenen ersten Goetheanum im Zusammenhang mit dem ätherischen Christus bei. Eine irdische "Einweihungsstätte" aber, die mit einem physischen Bau und einer äusseren Einrichtung an einen ganz bestimmten Ort gebunden ist, kann zwar ein Schulungsort sein, darf aber keinesfalls spezifisch als die konkrete irdische Begegnungsstätte des ätherischen Christus aufgefasst werden, denn das widerspricht dem Wesen des Christus im Ätherischen.

Frau von Halle schreibt: "was ein solches Erscheinen, eine solche Repräsentanz des ätherischen Christus an einem irdischen Ort bedeutet hätte!" Dazu muss gesagt werden: Der ätherische Christus offenbart sich an allen Orten der Erde. Er ist nirgendwo irdisch gebunden. Der Gedanke, dass die Begegnung in einem bestimmten irdischen Ort durch eine äussre Einrichtung erfahrbar sein soll, kann heute ein schweres Missverständnis innerhalb und ausserhalb des anthroposophischen Zusammenhängen verursachen. Man würde z.B. denken: Die Anthroposophen beanspruchen gegenüber der Welt eine auserwählte irdische Stätte der konkreten Begegnung mit dem Christus für sich selber.

In der Tat tritt der Christus plötzlich auf und verschwindet wieder. Denn er braucht durch seine ätherische Leiblichkeit, die aus der verwandelten Auferstehungskraft besteht, keine bestimmte irdische Hülle mehr. Er erscheint in seinem übersinnlichen Kleid, und deshalb ist er an keinen irdischen Ort gebunden. Auch in unterschiedlicher Gestalt erscheint er dem Menschen. Gerade deshalb kann sein gegenwärtiges Wirken immer universeller entfaltet werden. Seine Präsenz wird so immer mehr von Menschen in allen Gegenden der Erde erfahren. Dadurch kann die ätherisch-astralische Sphäre der gesamten Erde - neben dem Teil der wachsenden Verfinsterung - immer kräftiger durchlichtet und durchwärmt werden.




Junko Althaus



























Thema: Das gegenwärtige Wirken des Buddha und die gegenseitige Befruchtung des Westens mit dem Osten


























"Dreieinigkeit" des Asura-Wesens in der japanischen Kunst
















Sonntag, 12. Februar 2012

Die Gefahren in einer Gruppen-Meditation Teil 2




Wenn man sich immer wieder durch die Führung einer Autoritätsperson einer spirituellen Meditation hingibt, kann eine Abhängigkeit im Menschen entstehen. Man wird durch eine fremde Stimme von Aussen zu den inneren Handlungen und zu den übersinnlichen Bildern geführt. Und das bedeutet die Ersetzung der Stimme seines Ich. Wie stark diese Art der Führung auf das Unterbewusstsein eine abhängig-machende Auswirkung hat, kann nicht immer leicht bewusst gemacht werden. So wie im Teil 1 beschrieben ist, ist eine Meditation besonders mit den Gefahren verbunden, in der dem Meditierenden auf eine imaginativ-visionäre Art die übersinnlichen Vorstellungen vermittelt werden. Es gibt die Arten der Mediationen, die z.B. durch eine Visualisierung die Entspannungen erzeugen, die auch wirklich gute Ergebnisse zeigen. Es ist allerdings schwer zu beurteilen, wann so eine Mediation gefährlich werden kann, weil dabei eben die moralisch-spirituelle Reife des Meditationsleiters eine grosse Bedeutung hat. Und es kommt auch darauf an, wie stark die Neigung zu einer seelisch-geistigen Abhängigkeit im meditierenden Menschen vorhanden ist.

Man kann in einer stark visionär-imaginativen Meditation zu einem Erlebnis auf übersinnliche Art kommen. Und das löst oft eine Faszination beim Menschen aus. Ohne dass man sich auf dem Schulungsweg angestrengt hat, kommt man zum Schauen eines imaginativen Bildes. Nur weiss man nicht, wie man damit umgehen soll, und was das wirklich bedeutet. Man kommt auf diese Weise relativ leicht zur Imaginationsstufe. Allerdings bleibt man in dieser Stufe, solange man das blosse Hinnehmen einer unmittelbaren Fremdführung nicht ablegt. Durch die unmittelbare Führung von Aussen kommt man bis zum gewissen Grad zur Imaginationsstufe, aber man bleibt auch dort. Wer sich zur Inspirationsstufe erheben will, muss aber die innere Eigenständigkeit bekräftigen und befestigen, so dass ganz unabhängig von der fremden Führung das völlig eigenständige erkennende Fühlen aktiviert wird.

Bis zum gewissen Grad können viele bildhafte und imaginative Wahrnehmungen ohne das Einbeziehen des Herzorgans erreicht werden. (Die einseitige Aktivierung des Herzorgans, welche die Lockerung des individuellen Ich-Bewussteins und die Vernachlässigung des eigenständigen Denkens kann die Menschen auch zu einer geistigen Wahrnehmung führen. Aber das ist es nicht, was hier gemeint ist.) Dabei kommen hautsächlich die Organe in Frage, die in der Kopforganisation konzentriert sind. Das aber ändert sich, sobald man sich zur Inspiration erhebt. Das übersinnliche Herzorgan, das mit dem individuellen Ich des Menschen innig verbunden ist und die Erinnerung an die Zeit zwischen dem Tod und der neuen Geburt lebendig bewahrt, muss in der Inspiration in gesunder Weise aktiv werden.

Das "Fühlen" ist viel inniger und unmittelbarer mit dem Individuum selber verbunden als das "Sehen". Das kann jeder aus dem Alltagserlebnis verstehen, auch wenn man nichts Übersinnliches wahrnimmt. Das gilt aber auch in der übersinnlichen Ebene. Wer zur Inspirationsebene kommen will, muss sich viel stärker und intensiver als ein Individuum mit dem, was er wahrnimmt, verbinden. Es reicht nicht mehr aus, so wie in der Imagination eine von aussen schauende Haltung zu haben. Die Anleitung der Autoritätsperson verliert die eigentliche Bedeutung, wenn diese individuelle und persönliche Verbindung mit dem Wahrnehmungsinhalt wirklich erreicht werden soll. Das kann nur der Betreffende selber tun. Das individuelle Fühlen muss so intensiv eingesetzt werden, dass es zu einem übersinnlichen Wahrnehmungsorgan wird. Diese Situation der Eigenständigkeit steigert sich noch intensiver, wenn man ins Gebiet der Intuition hineinkommt.

In den vielen Esoterik-Richtungen wird heute die seelisch-geistige Eigenständigkeit wenig gepflegt. In vielen Fällen geht es hauptsächlich darum, dass etwas übersinnlich wahrgenommen wird. Das fördert eine Öffnung gegenüber den spirituellen Tatsachen, die heute wichtig und notwendig sind. Dadurch kommt man aber zu irgendeiner imaginativen Vorstellung, aber man kann sie oft nicht deuten, weil man nicht zur Inspiration kommt, in der erst die Imaginationen in ihren Zusammenhängen erkannt werden können.

Die Eigenschaften, die Sinnzusammenhänge und die Verhältnisse einzelner Dinge, die man wahrgenommen hat, können erst in der Inspirationsstufe erkannt werden. Rudolf Steiner war ein Genie der Inspiration. Und die Anthroposophie unterscheidet sich von den anderen spirituellen Richtungen vor allem durch die klare Anleitung zur Inspiration und zur Intuition. Für die Erhebung der Inspiration und der Intuition braucht der Mensch eine eigenständige innere forschende Haltung. Der Autoritätsglaube verhindert nicht unbedingt die Imagination, sondern kann sie sogar einseitig fördern. Aber die Menschen, die noch den Hang zum starken Autoritätsglauben haben, kommen nicht zur Inspirationsstufe, denn sie sind daran gewöhnt, anstatt dass sie die übersinnlichen Dingen eigenständig forschend durchdringen, die Urteile und Handlungen der Autorität hinzunehmen. Bis zur Imaginationsstufe muss man nicht unbedingt im geistigen Sinne forschen, man kann darüber fasziniert sein, dass man etwas Übersinnliches wahrnehmen kann. Beim Wechsel von der imaginativen zur inspirativen Erkenntnisfähigkeit muss der Mensch spätestens zu einem eigenständigen Forscher werden.





Die Imagination beginnt zuerst mit einer Wahrnehmung. Und sie ist noch keine Erkenntnis, denn man hat keine eigene sinngemässe Orientierung. Die Imaginationen stehen nebeneinander da, ohne dass man dabei ihre eigentliche Aussagen durchblicken kann. Steiner nennt die imaginative Welt unruhig. Sie ist fortwährend in einer Verwandlung. Man kann in der Imagination etwas wahrnehmen, kann aber in ihrer Stufe noch nicht im eigentlichen Sinne erkennen, weil der innere Ruhepunkt noch nicht hergestellt wurde. Ohne einen solchen inneren Ruhepunkt kann eine Interpretation, aber keine Erkenntnis gewonnen werden. Von einer eigentlichen Erkenntnis kann man ab die Stufe der Inspiration sprechen, weil erst dort die eigenständige Orientierung entsteht.



"Die Entwickelung bleibt nun aber innerhalb der imaginativen Welt nicht stehen. Der Mensch, der in ihr stehenbleiben wollte, würde zwar die in Verwandlung begriffenen Wesenheiten wahrnehmen; aber er würde die Verwandlungsvorgänge nicht deuten können, er würde sich nicht orientieren können in der neugewonnenen Welt. Die imaginative Welt ist ein unruhiges Gebiet. Es ist überall nur Beweglichkeit, Verwandlung in ihr; nirgends sind Ruhepunkte. — Zu solchen Ruhepunkten gelangt der Mensch erst, wenn er sich über die imaginative Erkenntnisstufe hinaus zu dem entwickelt, was die «Erkenntnis durch Inspiration» genannt werden kann. — Es ist nicht notwendig, daß derjenige, welcher die Erkenntnis der übersinnlichen Welt sucht, sich etwa so entwickele, daß er zuerst in vollem Maße das imaginative Erkennen sich aneigne und dann erst zur «Inspiration» vorschreite. Seine Übungen können so eingerichtet werden, daß nebeneinander das geht, was zur Imagination, und das, was zur Inspiration führt. Er wird dann, nach entsprechender Zeit, in eine höhere Welt eintreten, in welcher er nicht bloß wahrnimmt, sondern in der er sich auch orientieren kann, die er zu deuten versteht. Der Fortschritt wird in der Regel allerdings so gemacht werden, daß sich zuerst dem Geistesschüler einige Erscheinungen der imaginativen Welt darbieten und nach einiger Zeit er in sich die Empfindung erhält: Jetzt fange ich auch an, mich zu orientieren. — Dennoch ist die Welt der Inspiration etwas ganz Neues gegenüber derjenigen der bloßen Imagination. Durch diese nimmt man die Verwandlung eines Vorganges in den andern wahr, durch jene lernt man innere Eigenschaften von Wesen kennen, welche sich verwandeln. Durch Imagination erkennt man die seelische Äußerung der Wesen; durch Inspiration dringt man in deren geistiges Innere. Man erkennt vor allem eine Vielheit von geistigen Wesenheiten und von Beziehungen des einen auf das andere. Mit einer Vielheit verschiedener Wesen hat man es ja auch in der physisch-sinnlichen Welt zu tun; in der Welt der Inspiration ist diese Vielheit doch von einem anderen Charakter. Es ist da ein jedes Wesen in ganz bestimmten Beziehungen zu andern, nicht wie in der physischen durch äußere Einwirkung auf dasselbe, sondern durch seine innere Beschaffenheit. Wenn man ein Wesen in der inspirierten Welt wahrnimmt, so zeigt sich nicht eine äußere Einwirkung auf ein anderes, die sich mit der Wirkung eines physischen Wesens auf ein anderes vergleichen ließe, sondern es besteht ein Verhältnis des einen zum andern durch die innere Beschaffenheit der beiden Wesen. Vergleichen läßt sich dieses Verhältnis mit einem solchen in der physischen Welt, wenn man dazu das Verhältnis der einzelnen Laute oder Buchstaben eines Wortes zueinander wählt. Wenn man das Wort «Mensch» vor sich hat, so wird es bewirkt durch den Zusammenklang der Laute: Mensch. Es geht nicht ein Anstoß oder sonst eine äußere Einwirkung zum Beispiel von dem M zu dem E hinüber, sondern beide Laute wirken zusammen, und zwar innerhalb eines Ganzen durch ihre innere Beschaffenheit. Deshalb läßt sich das Beobachten in der Welt der Inspiration nur vergleichen mit einem Lesen; und die Wesen in dieser Welt wirken auf den Betrachter wie Schriftzeichen, die er kennenlernen muß und deren Verhältnisse sich für ihn enthüllen müssen wie eine übersinnliche Schrift. Die Geisteswissenschaft kann daher die Erkenntnis durch Inspiration vergleichsweise auch das «Lesen der verborgenen Schrift» nennen."
GA 13, Aus dem Kapitel "Die Erkenntnis der höheren Welten ( Von der Einweihung oder Initiation )"




Junko Althaus



















Freitag, 10. Februar 2012

Die Gefahren in einer Gruppen-Meditation Teil 1




Seit einigen Jahren ist eine neue Tendenz in der anthroposophischen Szene eingetreten: die Gruppen-Meditation. Eine spirituelle Meditation, die in kleinen oder grossen Gruppen durch einen leitenden Menschen geführt wird, ist eine weit verbreitete Praxis in der sonstigen Esoterik-Szene. Aber dass in den anthroposophischen Zusammenhängen es häufig praktiziert wird, ist noch verhältnismässig etwas Neues, denn das ist etwas, was eigentlich Rudolf Steiner nie mit seinen Schülern praktiziert hat.

Er hat die Menschen nie gruppenweise in eine voll-meditative Bewusstseinsebene geführt. Eine gemeinsame Meditation mit jemandem war eine Ausnahme, die z.B. nachweislich mit Ita Wegman gemacht wurde. Man kann in dem Fall erkennen, aus welchem Grund er täglich mit ihr eine gemeinsame Meditation geübt hat. Es war eine äusserst tiefe spirituelle Verbindung zwischen Steiner und Wegman vorhanden, so dass das Karma zwischen den beiden sehr lauter und harmonisch war und dass sie seit mehreren Inkarnationen einen gemeinsamen spirituellen Willen zu einer gemeinsamen Mission in sich trugen, hinter der eine geistige Führung steht. auf einem solchen Hintergrund war es möglich, dass Steiner mit ihr eine tägliche gemeinsame Meditation durchführen konnte. Und ausserdem war es eine ganz intime Gemeinschaft, die nur aus zwei Menschen bestand. Wenn Steiner mit mehreren Menschen zusammenarbeitete, führte er die Menschen nicht aus dem Gebiet ihres vollen Bewusstseins weg, in dem das individuelle Ich der einzelnen Menschen jederzeit ein prüfendes Bewusstsein aktivieren konnte und so auch gegen die Einflüsse jeder negativen Eventualität bewaffnet sein konnte.


Die Gefahr der Gruppenmediation besteht z. B. darin, dass durch eine von jemandem geführte Gruppen-Meditation - vor allem keine blosse Entspannungsübung oder Gedankenübung, sondern auf eine direkt spirituelle Art geführte Meditation, in der ein unmittelbarer Bezug auf etwas Übersinnlich-Visionäres ohne ein klares Denkansatz hergestellt wird - die Verbindung der einzelnen Menschen zu ihrem individuellen freien Willen gelockert wird. Das Ich-Bewusstsein, das etwas lockerer wird als sonst, verbindet sich mit einer spirituellen Gruppendynamik, die in der Gruppen-Meditation sich ergibt. Man schläft ein Stück in dieses übersinnliche Gefäss der Gruppenseelenhaftigkeit hinein.

Dieser Zustand ist im gewissen Sinne mit dem Bewusstsein des Menschen, der an einer Kultushandlung teilnimmt, zu vergleichen. Allerdings besteht ein gravierender Unterschied zwischen einer Gruppen-Mediation und einer wirklichen Kultushandlung. Bei einer Kultushandlung entsteht auch eine Gruppenseelenhaftigkeit. Die Gruppenhaftigkeit - sie klingt dem heutigen Ohr allgemein nicht besonders gut, aber sie ist natürlich nicht nur als etwas Schlechtes aufzufassen - kann - so wie Steiner z.B. im Zusammenhang mit der Christengemeinschaft erwähnt - eine wirklich gesund entstehende Gruppenhaftigkeit etwas Kostbares sein, denn es bereitet gewissermassen ein neues Gruppenbewusssein der 6. Kulturepoche vor, das mit dem vollen individuellen Ich-Bewusstsein zu vereinbaren ist.

Aber das Kollektiv-Bewusstsein in einer Gruppen-Meditation ist anders als das in einer Kultushandlung. Bei einer Kultushandlung wird die absolut objektive Form bewahrt. Diese Form ist das reine Abbild des geistigen Geschehens. Sie bildet den wahren geistigen Vorgang treulich ab. Sie ist nicht nur ein Text, eine bestimmte Handlung, sondern sie ist zugleich moralisch. Die wirkliche kultische Form ist etwas, was nicht ein Mensch ausdenken kann. Und dieses reine Abbild des Geistes, das nichts mit der Willkür eines Menschen zu tun hat, wird aus dem Vertrauen zur Objektivität des Kultus von allen Menschen respektiert und eingehalten. Dadurch ist der Teilnehmer in einer wahren Kultushandlung von den zahlreichen spirituellen Gefahren geschützt, die sonst entstehen, wenn man sich gruppenmässig durch die Führung eines Menschen in ein höheres Gebiet begibt, weil dabei das Ich-Bewusstsein des Einzelnen nachlässt und statt dessen das Kollektiv-Bewusstsein des Gruppen-Ich die Oberhand gewinnt. Dabei bekommt die spirituelle Reife des Meditationsleiters eine verheerende Rolle. Die Teilnehmer übergeben sich der Urteils- und Entscheidungsfähigkeit des Leiters während der Meditation, für die man sonst im Alltag selbstverantwortlich ist.

Die Form, die in einer Kultushandlung eingehalten wird, bremst beim einzelnen Menschen einen völlig freien spirituellen Höhenflug. Die feste Form hält ihn davor ab. Das erlebt man deutlich, wenn man sonst nicht in eine Kultushandlung geht, und sie als eine Ausnahme miterlebt. Denn während einer Kultushandlung kann der freie Wille einzelner Menschen nicht voll entfaltet werden. Der freie Wille der individuellen Menschen bleibt gewissermassen ein Stück an die notwendige Form der fest gelegten Kultushandlung gebunden. Aber das ist wiederum ein wichtiger Schutz für die Menschen, die gruppenmässig etwas Spirituelles erleben. Ohne dass sie sich selbst einen bewussten Schutz zu geben lernten, können sie sich durch das treue Einhalten des kultischen Vorganges bis zum gewissen Grad ohne Gefahr zu dem Geistigen erheben. Zwar müssen sie ein Stück den freien Willen hergeben, aber die reine geistige Form ersetzt ihren freien Willen und schützt sie im gewissen Sinne vor dem schädlichen Einfluss, der sonst in der übersinnlichen Welt vorhanden ist.

Nun ist aber ein solcher Schutz in einer Gruppen-Meditation nicht gegeben, denn die Form, die das reine objektive Abbild des geistigen Vorganges ist, ist nicht vorhanden. Man kommt in einen ätherisch-astralischen Gruppenkraft-Komplex hinein, wird zu einem Teil dieser Gruppenseele. Man übergibt sich der Anweisung des Meditationsführers. Der freie Wille der einzelnen Menschen bekommt eine Dämpfung und man begibt sich gleichzeitig in ein übersinnliches Gebiet. Und das ist eine Situation, die mit vielen Gefahren verbunden ist.

Es gibt die zahlreichen Geister in der übersinnlichen Welt, die den Menschen ihren freien Willen entreissen wollen. Der freie Wille der individuellen Menschen ist etwas höchst Kostabres für sie. Wenn der freie Wille so irgendwie von den Menschen unkontrolliert da steht und stückweit in einer Gruppenhaftigkeit aufgegeben wird, dann fallen diese Geister über die Menschen gierig her, um die Substanzen des freien Willens für sich selber zu bemächtigen. Und wenn das geschieht, schwächt der Mensch seine Verbindung zur Herzgegend. Die ätherischen Strömungen, die vom Herz aus im ganzen Menschen sich ausbreiten, werden zurückgehalten. Das Herz ist ein Willensorgan in der Mitte. Das Herz hat nicht nur mit dem Fühlen, sondern sehr innig mit dem freien Willen des Menschen zu tun. Die besondere Wachheit gegenüber dem individuellen freien Willen ist eine unverzichtbare Voraussetzung für die gesunde Entwicklung des Herz-Organs, welches das eigentliche Christusorgan im Menschen ist.

Teil 2 folgt

Junko Althaus




















Samstag, 4. Februar 2012

Verehrung oder Liebe? - der Grosse Hüter der Schwelle



Die Verehrung ist eine Vorstufe der Liebe. Das Verehren ist ein Aufblicken und eine Liebe ohne das wahre Verstehen. Steiner schildert in „Wie erlangt man...“: wer in der Kindheit gegenüber einer erwachsenen Persönlichkeit die Ehrfurcht empfinden lernte, dem kann sie sich im erwachsenen Alter zur Verehrung der Wahrheit verwandeln. Also die intensive Verehrung gegenüber einer bestimmten Persönlichkeit ist nicht etwas, was im erwachsenen Alter bleiben soll, sondern sie soll sich zur „Ehrfurcht vor der Wahrheit“metamorphorsieren.


Die Verehrung einer Person ist noch keine Liebe. Sie ist die Vorstufe der Liebe. Die Liebe ist höher, bewusster, ichhafter und reifer als eine Verehrung. Die Liebe schreckt nicht vor der Unvollkommenheit und den Schatten der Person zurück. Sie setzt sie sogar voraus, weil die Liebe weiss, dass die geliebte Person auch ein Mensch ist wie alle anderen. Die Liebe hält unverändert vor den Schatten stand. Sie wirft in uns nur eine Frage auf: wieso ist dieser Schatten da, woher kommt er? Die Frage entsteht deshalb, weil die Liebe es verstehen will. Die Liebe braucht keine Illusion, in der die Schatten der Person versteckt und ausgeblendet werden, denn sie weiss, das Unvollkommensein gehört zum Menschsein.

Die Verehrung aber erschreckt vor einer Unvollkommenheit an der Verehrungsperson zurück und will von ihr wegschauen. Die Schatten sind nicht zu vereinbaren mit der Ehrfurchtperson. Die idealistische Verehrung macht uns unfrei, lässt uns nicht die Wahrheit sehen. Wir werden gefangen in unseren Vorstellungen.

Einige Menschen können nicht leiden, dass ihr Idealbild z.B. Marie Steiner durch die historischen Dokumentationen zusammenbricht. Ist es eine Liebe oder eine Verehrung? Wenn sie sie wirklich lieben – nicht bloss sie idealisieren wollen, können sie ruhig beobachten, wie die Schatten an Marie Steiner gewesen sind, so wie das Licht an ihr leuchtete.


Seitdem ich dem Grossen Hüter der Schwelle – wer die Schilderung Steiners über ihn kennt, weiss wie und wer dieser Hüter ist – begegnete, weiss ich, wie ein Erdenmensch tatsächlich vor einem solchen Wesen dasteht. Man denkt vielleicht, als Mensch ist man nicht schlecht vorangekommen - man hat einige Fortschritte gemacht und die früheren Inkarnationen erkennen gelernt u.s.w. Aber wie klein ein Mensch vor so einem Wesen wie es der Grosse Hüter der Schwelle ist - der als das vollkommene Urbild der Menschheit dasteht - erkennt, wer vor ihm steht.

Welche majestätische Geistgewalt, welche universelle Lebensmacht von so einem Wesen unmittelbar ausgeht – im Vergleich zu einem Wesen, das auf der Erde als Erdenmensch seine Inkarnation mit Karma durchlebt – erfährt man genauso wie Steiner es in seinen Schriften schildert. Der Hüter mahnt uns - so wie Schilderung Steiners - vor dem spirituellen Hochmut, vor einer leichtsinnigen Annahme eigener geistigen Fähigkeiten.

Vor diesem Wesen mit seiner leuchtenden kosmischen Gewalt verblasst jeder Erdenmensch. Seine Waffe ist eine Liebe, welche die wahre geistige Macht ist. Und wer so etwas erlebte, weiss, es ist ein Unsinn, einen Erdenmenschen als den eigenen Führer für sich zu sehen und zu idealisieren, denn der wahre Führer kann nicht ein Erdenmensch, der in unserer Vorstellung idealisiert wird, sondern das Christus-Wesen sein, das uns heute in der Ätherwelt erscheint. Vor diesem Wesen kommt ein menschlicher Streit, wer der Grösste unter den Menschen sein soll, völlig absurd vor. Die menschliche Unvollkommenheit - das ist es, was die Menschen gemeinsam haben. An einem bestimmten Menschen dies auszublenden führt uns zu einer Unwahrheit.



Aus Anthrowiki


"Er (der Geistesschüler) hat sich zu einer Wahrnehmung seines höheren Ich durchgerungen, und er hat bemerkt, wie er weiter zu arbeiten hat, um seinen Doppelgänger, den «Hüter der Schwelle», zu beherrschen. Er hat aber auch die Begegnung gehabt mit dem «großen Hüter der Schwelle», der vor ihm steht wie ein stetiger Aufforderer, weiterzuarbeiten. Dieser «große Hüter der Schwelle» wird nun sein Vorbild, dem er nachstreben will. Wenn diese Empfindung in dem Geistesschüler auftritt, dann hat er die Möglichkeit erlangt zu erkennen, wer da eigentlich als der «große Hüter der Schwelle» vor ihm steht. Es verwandelt sich nämlich nunmehr dieser Hüter in der Wahrnehmung des Geistesschülers in die Christusgestalt, deren Wesenheit und Eingreifen in die Erdenentwicklung aus den vorhergehenden Kapiteln dieses Buches ersichtlich ist. Der Geistesschüler wird dadurch in das erhabene Geheimnis selbst eingeweiht, das mit dem Christus-Namen verknüpft ist. Der Christus zeigt sich ihm als das «große menschliche Erdenvorbild»." GA 13

http://wiki.anthroposophie.net/Großer_Hüter_der_Schwelle



Junko Althaus


















Freitag, 2. Dezember 2011

Das tiefe Leid R. Steiners - Marie Steiner widersetzte sich seiner Initiative



Osker Schmiedel berichtet von der Hetze Marie Steiners gegen Wegman in seiner Aufzeichnug. Er tat es aus einem schweren Herzen, weil er Marie Steiner sehr verehrt hat. Aber er schilderte viele Vorkommnisse, die mit der Hetze gegen Wegman zu tun haben, aus dem Treuegefühl zu Steiner und Wegman. Und darin wird das tiefe Leid Steiners sichtbar an dem veränderten Vertrauensverhältnis zwischen ihm und Marie Steiner, denn sie blockierte zusehends den Willensimpuls Steiners für die Weiterführung der Gesellschaft. Und das ist erschütternd und macht den Leser tief betroffen. Es ist dringend nötig, dass diese Dinge gewusst werden.


Zitat Beginn ( Die Bearbeitung durch die Farben: J.A. )

"So schwer es mir fällt, möchte ich nun über Frau Dr. Steiner und ihr Verhältnis zu Frau Dr. Wegman sprechen. ...Es kann gewiss niemand mehr als ich die Bedeutung desjenigen schätzen, was sie (Marie Steiner) für die Anthroposophische Bewegung getan hatte. Es kann niemand mehr würdigen ihre unermüdliche, selbstlose und aufopfernde Arbeit für dieselbe als ich. Ohne sie hätte die Anthroposophische Bewegung nie das werden können, was sie geworden ist. Ich habe fast von Anfang an diese Arbeit beobachten können, was sie geworden ist. Ich weiss, wie sehr Dr. Steiner Frau Dr. Steiner schätzte und wie unendlich dankbar er ihr für ihre Mitarbeit war. Mein persönliches Verhältnis zu ihr war immer ein gutes. Ich lernte sie persönlich etwas im Dezember 1907 kennen und konnte ihr nur die grösste Sympathie entgegenbringen. ...Es ist mir daher um so schwerer, gerade über Frau Dr. Steiner so zu sprechen, wie ich es im folgenden tun muss. Doch kann ich nicht anders, wenn ich über die erschütternde Vorgänge, die nach dem Tode Rudolf Steiners sich ereigneten, etwas aussagen soll.

Schon früher war es immer bedrückend, wenn man hin und wieder durch irgendeinen Zufall Zeuge wurde oder wenn man erzählt bekam, wie es mitunter Dr. Steiner schwer hatte, wenn Frau Dr. Steiner sich in heftiger Weise gegen Dinge wandte, die er durchgeführt wünschte. Und wie er ihr dann in einer gütigen und geduldigen Weise zusprach oder auch von seinem Wunsche Abstand nahm. Unendlich traurig wurde es für mich, als ich sah und erfuhr, mit welchem Unverständnis und - ja, das Wort muss gesagt werden - Hass Frau Dr. Steiner sich gegen Frau Dr. Wegman stellte und dies noch zu Lebzeiten Dr. Steiners. Wie sehr muss Rudolf Steiner darunter gelitten haben, da er Frau Dr. Wegman in dem Masse, wie er es getan, hochgeschätzt hat. Wieweit muss dies gediehen gewesen sein, dass er zwei Tage vor der Weihnachtstagung zu mir die bereits angeführte Worte sagen konnte. Ich möchte diese Worte ihrer Bedeutung halber hier noch einmal wiederholen: „Wenn die Hetze gegen Frau Dr. Wegman so weitergeht, so wird sie zur Zersprengung der Gesellschaft führen. Und diese Tendenz macht sich auch in meiner nächsten Umgebung bemerkbar, aber ich werde ihr auch da auf das Energischste entgegenbringen.“ Es ist unzweifelhaft, dass mit diesen letzten Worten Frau Dr. Steiner gemeint war, wenn ich bedenken, was ich sonst über ihre Stellung und über diejenige ihrer Umgebung zu Frau Dr. Wegman hören konnte.

Und es ist tief erschütternd für mich immer der Gedanke gewesen, was Dr. Steiner erfahren haben mag, wenn er zwei Tage vor der Weihnachtstagung sich veranlasst sah, von dem ihm nächststehenden Menschen in dieser Art zu mir zu sprechen. Aber diese Tendenz, die nach Rudolf Steiner zur Zersprengung der Gesellschaft führen müsse, lebte weiter in Frau Dr. Steiner und sie kam nach dem Tode Steiners zur vollen Auswirkung. Es war unsäglich schmerzvoll für mich, wenn ich nach dem Tode Dr. Steiners immer wieder hören musste, in welcher Art Frau Dr. Steiner von Frau Dr. Wegman sprach. So kam zum Beispiel einmal en älterer Arzt von einer Unterredung mit Frau Dr. Steiner ganz gebrochen zu mir. Er war tief erschüttert von dem eben Gehörten, obwohl er selbst nicht viel für Frau Dr. Wegman übrig gehabt hatte. Er konnte lange sich nicht fassen und wiederholte immer wieder: „Das ist ja ganz furchtbar, was Frau Dr. Steiner mir alles über Frau Dr. Wegman gesagt hat.“

Oder ein eigenes Erlebnis. Ich hatte mit Frau Dr. Steiner rein sachlich über einen eventuellen Kauf eines der Futurum gehörenden Hauses zu verhandeln. (1926?) Ich erwähnte bei diesm Gespräch beiläufig, dass es, wenn sie es nicht kaufen wolle, Frau Dr. Wegman es erwerben würde. Da kamen, wie aus der Pistole geschossen, aus dem Munde Frau Dr. Steiners die Worte: „Dr. Wegman, die Leiterin der Esoterik sein will!“ Es waren diese Worte und die Art, wie sie gesprochen wurden, um so erschreckender für mich, als bei dieser sachlichen Verkaufsvershandlung keinerlei Anlass für sie gegeben war und über Frau Dr. Wegman überhaupt nicht gesprochen wurde. Und ebenso wie Frau Dr. Steiner sich gegenüber Frau Dr. Wegman verhielt, so verhielten sich auch diejenigen, die ihre Mitarbeiter waren oder sich sonst irgendwie zu ihr zählten.

Ein Vorfall war für mich ganz besonders erschütternd. Nach einem Vortrag von Dr. Steiner stand ich im Vorraum der Schreinerrei und neben mir eine Dame, die zu dem Stab von Frau Dr. Steiner gehörte. Als Dr. Steiner mit Frau Dr. Wegman aus dem Saale kam und mit ihr in das Atelier ging, warf die neben mir stehende Dame einen hasserfüllten Blick auf Frau Dr. Wegman und zischte: Wenn dies nur einmal bald aufhören würde! Es geschah dies dazu noch nach der Weihnachtstagung, ich glaube, es war August 1924! Herr Dr. Steiner hatte die Gewohnheit angenommen, jedesmal nach seinem Vortrag mit Frau Dr. Wegman in das Atelier zu gehen und dort noch etwas mit ihr zu arbeiten, soviel ich hörte, an dem medizinischen Buch.)

Dieser Hass, der von den Freunden von Frau Dr. Steiner Frau Dr. Wegman entgegengebracht wurde, erschien mir immer wie etwas aus Tiefen Hervorkommendes, etwas, das in seiner Intensität und Selbstverständlichkeit nicht durch die Taten und Eigenschaften von Frau Dr. Wegman begründet war und durch sie verursacht werden konnte. "

Zitat Ende


Die bedeutsame Beziehung zwischen Steiner und Marie Steiner war in Wirklichkeit bereits vor seinem Tod nicht mehr die gewesen, die einmal war. Wie stark Steiner darunter gelitten haben musste, kann man sich vorstellen. "Schon früher war es immer bedrückend, wenn man hin und wieder durch irgendeinen Zufall Zeuge wurde oder wenn man erzählt bekam, wie es mitunter Dr. Steiner schwer hatte, wenn Frau Dr. Steiner sich in heftiger Weise gegen Dinge wandte, die er durchgeführt wünschte. Und wie er ihr dann in einer gütigen und geduldigen Weise zusprach oder auch von seinem Wunsche Abstand nahm. "

Diese Art der Berichte stammt von mehreren Menschen. Und das macht mich heute noch sehr stark betroffen, obwohl ich es schon lange kannte. Diese kostbare karmische Beziehung, die in der ersten Phase der Anthroposophie so einmalig leuchtete, wurde wegen eines karmischen Schwachpunktes ihrer Beziehung durch die Einwirkung der antimichaelischen Geister stark angegriffen. Marie Steiner hinderte wirklich die Initiativen Steiners bereits zu seinen Lebzeiten. Und das ist eine irdische Tatsache, die seitdem zu dem Karma dieser Beziehung gehört, auch wenn die übersinnlichen Kräfte der Widersacher dabei mit am Werk waren.

Marie Steiner hatte etwas Kosmisches an sich, hatte die Qualitäten aus dem vorchristlich-kosmischen Bewusstsein in sich bewahrt. Sie hatte aus diesem Grund schwer, sich an einem zeitgemässen Christuswirken im menschlich-individuellen Karma wirklich zu interessieren. Aber das war genau die Erdenmission Steiners, die mit der Anthroposophie zusammenhing. Dadurch konnte Marie Steiner immer weniger Steiner inspirieren. An der höhere Logik orientierten anthroposophischen Karmaforschung interessieren sich diejenigen Menschen, welche die kosmische Dimension der Weisheit - die kosmische Intelligenz Michaels - jetzt im konkreten menschlichen Erdenleben individuell wieder finden und eigenständig und bewusst ergreifen wollen. Marie Steiner wollte aber durch ihre Neigung keine bewusste Auseinandersetzung mit dem Karma, wollte die Dinge aus einer hierarchischen Mysterienordnung her ordnen. Sie wollte die kosmische Dimension der alten Mysterien eben ohne Karmaforschung in der Anthroposophischen Gesellschaft fortsetzen, weil die konkrete Karmaforschung ihr zu stark irdisch vorkam.

Sie hatte viel Weisheit im Sinne der vorchristlichen Mysterien, die sie möglichst rein behalten wollte. Deshalb aber besass sie wenig "geronnene Liebe", welche eine Frucht der Persönlichkeitskultur ist. Die nachchristliche Persönlichkeitskultur ist ausgesprochen schattenvoll und unvollkommen im Vergleich mit den alten Mysterien. Sie verursacht unvermeidlich den Verlust der kosmischen Dimension, bringt den Menschen richtig mit der Erde in Verbindung. Man muss tiefer in die Erde herunter steigen. Das entsprach aber nicht der karmischen Neigung Marie Steiners. Sie konnte damit nicht richtig umgehen. Das sieht man deutlich an dem Vorkommnis mit Schure.

Allerdings kann der Mensch erst durch den Verlust der kosmischen Weisheit die individuell geronnene Liebe durch die karmische Auseinandersetzung in sich entwickeln. Marie Steiner wollte aber die Anthroposophie als eine Esoterik ohne praktische Karmaforschung bewahrt haben. Und dadurch ist eine unüberbrückbare Kluft zwischen Steiner und Marie Steiner immer mehr, ganz besonders in der letzten Wirkensphase Steiners, erzeugt worden. Und in diese entstandene Kluft haben die antimichaelischen Geister voll eingegriffen. Die Qualität Marie Steiners, die an sich etwas ist, was für die Entwicklung der Anthroposophie unverzichtbar war, musste durch diese Geister für den Kampf gegen Steiner und Michael missbraucht und ausgenützt werden. Marie Steiner durchschaute dies aber nicht vor ihrem Tod. Seitdem leidet die äusserst bedeutsame karmische Beziehung zwischen den beiden Individualitäten auf ernsthafte Weise unter einer Lähmung. Dies muss man heute klar erkennen.

Junko Althaus


















Donnerstag, 1. Dezember 2011

Herz orientierte Biographiearbeit - Mein Buch auf japanisch




Endlich ist so weit. Mein japanisches Buch ist fertig.

"Die Herz orientierte Biographiearbeit
- das Tor der Seele öffnen"






Sehr sehr lange hat es gedauert, bis es wirklich fertig stand. Wenn man eine eigene Methode erfindet, muss man vielleicht doch mit so einem langen Prozess der Reifung rechnen. Ich konnte wirklich keine Literatur ausser Steiner zur Hilfe nehmen.

In diesem Buch ging ich ausführlich darauf ein, dass die Wahrnehmungen des Herzen nicht mit der Sympathie gleich zu setzen sind. Alle Gefühle und Empfindungen, Stimmungen werden zuerst als gegebene Tatsache angenommen als die Erkenntnisgegenstände, so wie die äusseren Gegenstände in der Aussenwelt. Die negativen Gefühle werden in der Betrachtung überhaupt nicht bekämpft, sondern objektiv betrachtet. Das hat nichts mit der psychologisierenden Interpretation zu tun. Man interpretiert nicht, sondern lässt die Tatsachen der Empfindungen selber sprechen. Das ist das Goetheanistische daran, auch wenn es nichts mit den äusseren Natur-Gegenständen zu tun hat, sondern allein mit den unsichtbaren Empfindungen und Gefühlen. Aber das Prinzip ist dasselbe.

Durch diese goetheanistische Beobachtung nach innen kann man erkennen lernen, dass viele Vorstellungen und Aussagen eines Menschen stark von den nicht genug erkannten Gefühlen beeinflusst werden. Wenn man das Herz schult, kann man dazu kommen, dass die Gefühle für sich selber sprechen, was sie zum Ausdruck bringen wollen. Durch diese Art der goetheanistischen Praxis nach innen wird das Herz zu einem Erkenntnisorgan ausgebildet. Und das belebt und ergänzt das Denken, das sich sonst heute immer mehr in einer bloss gescheiten Intellektualität austrocknet. Die Grundlage meiner Herz-Ausbildungsmethode stammt aus meiner eigenen Erfahrungen und aber auch aus einer Aussage Rudolf Steiners über das Herz als das Wahrnehmungsorgan, mit dem man mutvoll die innere Welt inklusiv der negativen Emotionen beleuchtet und mit der man zuletzt zu der Spähre der Ewigkeit kommt.

Die Grundhaltung dabei ist genau die Erkenntnispraxis Steiners, die ich im letzten Artikel anhand des Beispiels von Osker Schmiedel vorgestellt habe. Nicht vom Negativen wegschauen, sondern durch das Negative hindurch schauen, damit man eine wahre Botschaft hinter dem Negativen als Qualität erkennen kann. Wo nur das Positive, das Schöne und das Gemeinsame, das Harmonische gesehen und gesucht wird, kann keine Wahrheit erkannt werden.


Junko Althaus